Der Einwand
Vater, Sohn und Geist werden gemeinsam genannt. Aber auch Gott, Engel und Menschen können in einem Satz stehen. Warum sollte aus solchen Dreiergruppen die gleiche Gottheit folgen?
1. Entscheidend ist die Beziehung, nicht die Zahl
Die Trinitätslehre entsteht nicht durch das Zählen dreier Substantive. Eine Liste behauptet zunächst nur, dass ihre Glieder in der jeweiligen Hinsicht zusammengehören. Deshalb muss man fragen, welche Handlung der Text beschreibt, welche Stellung die Genannten darin haben und wie derselbe Textbestand sie andernorts bestimmt. So wird aus einer Dreiergruppe ein Argument mit erkennbarem Inhalt.
2. Die Taufe begründet Zugehörigkeit
Matthäus 28,19 stellt Vater, Sohn und Geist gemeinsam in den Bezugspunkt christlicher Taufe. Der Singular „Name“ ist dabei bedeutsam, beweist für sich aber keine metaphysische Definition. Entscheidender ist: Jesus ordnet die Jüngerschaft aller Völker diesem gemeinsamen Namen zu und verheißt seine eigene bleibende Gegenwart.
Paulus zeigt in 1. Korinther 1,13–15, wie wenig beliebig dieser Bezug ist. Er weist gerade den Gedanken zurück, die Gemeinde sei auf seinen Namen getauft worden. Ein Apostel ist Diener der Gemeinde, nicht ihr letzter Herr. Deshalb ist die Taufstellung des Sohnes und des Geistes nicht mit der Erwähnung zweier besonders wichtiger Mitarbeiter erklärt.
3. Die Texte beschreiben das eine Heilshandeln
Epheser 2,18 spricht vom Zugang zum Vater durch Christus in einem Geist. Die drei sind weder austauschbar noch drei konkurrierende Zugänge. Im Schlusssegen des zweiten Korintherbriefes gehören Christi Gnade, Gottes Liebe und die Gemeinschaft des Geistes zusammen. In 1. Korinther 12,4–6 werden Geist, Herr und Gott auf das eine Wirken in der Gemeinde bezogen.[1]
Kein einzelner dieser Sätze muss alles sagen. Zusammen mit den Aussagen über Christi Schöpferstellung und die göttliche Erkenntnis des Geistes ergibt sich ein bestimmtes Gesamtbild: Das Heil ist Gemeinschaft mit dem einen Gott als Vater, Sohn und Geist.
4. Der Schluss hat eine erkennbare Grundlage
Die bloße gemeinsame Nennung beweist keine Wesensgleichheit. Ihre besondere Funktion in Taufe, Anbetung und Heil darf aber ebenso wenig auf eine beliebige Aufzählung reduziert werden. Wer Sohn und Geist für Geschöpfe hält, muss erklären, weshalb sie diese Stellung im Gottesverhältnis aller Christen erhalten.
Die trinitarische Folgerung verbindet also die triadischen Texte mit den Aussagen über die Identität der Genannten. Sie ersetzt Exegese nicht durch eine Dreizahl, sondern erklärt, weshalb gerade diese drei Namen das christliche Gottesverhältnis bestimmen.
5. Das ewige Verhältnis folgt nicht aus einer Sendung allein
Ein Gesandter muss nicht Gott sein; auch Propheten werden gesandt. Aus den Aufgaben von Vater, Sohn und Geist allein ließe sich deshalb ihre ewige Wesensgleichheit nicht ableiten. Die Schrift geht aber über die Beschreibung dieser Aufgaben hinaus. Jesus spricht von der Herrlichkeit, die er beim Vater hatte, bevor die Welt existierte, und von dessen vorweltlicher Liebe zu ihm (Johannes 17,5.24). Die personale Beziehung beginnt nach diesen Aussagen nicht erst mit Jesu Geburt oder seinem Auftrag in der Welt.
Auch der Geist wird nicht lediglich als heilsgeschichtliche Wirkung beschrieben. In 1. Korinther 2,10–12 unterscheidet Paulus uns als Empfänger der Offenbarung vom Geist, der Gottes Tiefen kennt. Sein Vergleich mit dem menschlichen Geist bezeichnet einen inneren Zugang zur Erkenntnis Gottes, nicht die Mitteilung an einen außenstehenden Boten. Die ewige Wirklichkeit Gottes wird also durch Aussagen über vorweltliche Gemeinschaft und göttliche Selbsterkenntnis erschlossen; sie wird nicht aus einer bloßen Aufgabenverteilung herausgelesen. Damit ist noch nicht jede spätere Erklärung der innergöttlichen Beziehungen bewiesen. Aber eine ausschließlich zeitliche Heilsordnung erklärt diese Texte nicht.
Bibeltexte im Zusammenhang
Quellen und Vertiefung
- John M. Frame, The Doctrine of GodKap. 28, S. 638–639: trinitarische Struktur neutestamentlicher Aussagen.