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CHRISTOlogisch · Trinität · H06

Filioque und Athanasianum: Gibt es überhaupt eine gemeinsame Lehre?

2 Minuten Lesezeit · Mit Bibeltexten und Quellen

Der Einwand

Ost und West streiten über den Ausgang des Geistes. Das Athanasianische Bekenntnis stammt nicht einmal sicher von Athanasius. Wie kann man dann von der einen verbindlichen Trinitätslehre sprechen?

1. Der Streitgegenstand muss genau benannt werden

„Filioque“ bedeutet „und vom Sohn“. Der westliche Zusatz betrifft die Aussage, von wem der Geist ausgeht. Beide Seiten bekennen dabei den Geist als göttliche Person und verwerfen seine Einordnung unter die Geschöpfe. Die Streitfrage ist daher nicht identisch mit der Frage, ob es den Heiligen Geist als göttliche Person gibt.

Das Bekenntnis von 381 nennt seinen Ausgang vom Vater und seine gemeinsame Verehrung mit Vater und Sohn.[3] Schon diese Unterscheidung verhindert, jede spätere Differenz als Auflösung des gesamten Lehrkerns zu behandeln.

2. Sendung und ewiger Ausgang sind nicht automatisch dasselbe

Johannes 15,26 nennt den vom Vater ausgehenden Geist, den Jesus senden wird. Galater 4,6 spricht vom Geist des Sohnes. Westliche Theologie verbindet solche Texte mit der ewigen Beziehung des Geistes zu Vater und Sohn; östliche Theologie betont den Vater als Ursprung und unterscheidet hiervon die Sendung durch den Sohn.

Die einzelnen Begriffe und ihr Verhältnis müssen erläutert werden. Aus „der Sohn sendet“ folgt nicht ohne weiteres jede spätere metaphysische Beschreibung. Frame bespricht ausdrücklich diese exegetische und begriffliche Schwierigkeit.[1]

3. Ein überlieferter Name ist kein Autorschaftsbeweis

Das sogenannte Athanasianische Bekenntnis ist nicht als persönlich verfasster Text des Athanasius zu behandeln. Grudem weist darauf ausdrücklich hin.[2] Sein Name bezeichnet die Zuordnung zu einer Lehrtradition; er ersetzt keinen historischen Nachweis.

Die Wahrheit eines Satzes hängt ohnehin nicht davon ab, ob ein berühmter Kirchenvater ihn selbst formuliert hat. Auch die Heilsformulierungen dieses Bekenntnisses müssen an der Schrift geprüft werden. Sie dürfen nicht zu einer zusätzlichen Bedingung theologischer Fachkenntnis für den Empfang ewigen Lebens gemacht werden.

4. Die Differenz begrenzt bestimmte Ansprüche

Man kann nicht behaupten, alle Einzelheiten der westlichen Formulierung seien stets überall gleich bekannt worden. Daraus folgt aber nicht, Vater, Sohn und Geist seien deshalb beliebige Deutungen. Der Streit findet innerhalb eines bereits bestimmten Bekenntnisses zu ihrer Gottheit und realen Unterscheidung statt.

Eine scharfe Antwort verteidigt daher den biblischen Lehrkern und legt bei weitergehenden Ursprungsmodellen ihre Gründe offen. Historische Genauigkeit schützt diese Unterscheidung. Sie ersetzt weder Exegese noch macht sie christliche Gewissheit von einer erfundenen vollständigen Einmütigkeit abhängig.

Bibeltexte im Zusammenhang

Quellen und Vertiefung

  1. John M. Frame, The Doctrine of GodKap. 29, S. 716–718: Filioque, historische Änderung und exegetische Argumente.
  2. Wayne Grudem, Biblische DogmatikKap. 14, S. 272–273: Das Athanasianum ist nicht von Athanasius selbst verfasst.
  3. Bekenntnis von Konstantinopel 381Der Geist geht vom Vater aus und wird mit Vater und Sohn verehrt.
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