Der Einwand
Die Apostelgeschichte berichtet Taufen auf den Namen Jesu. Eusebius zitiert den Missionsauftrag teilweise verkürzt. Vielleicht wurde „Vater, Sohn und Heiliger Geist“ erst später in Matthäus 28,19 eingefügt.
1. Eine Vermutung ist noch keine überlieferte Lesart
Für die behauptete ursprüngliche Kurzfassung von Matthäus 28,19 fehlt die entsprechende griechische Handschriftenbasis. Die überlieferte Taufformel darf nicht allein deshalb gestrichen werden, weil eine andere Fassung einer bestimmten Theorie der Lehrentwicklung besser passen würde.[1]
Die Frage lautet nicht, ob Autoren Bibelworte verkürzt anführen konnten. Das konnten sie. Gefragt ist, ob ihre Verkürzung einen anderen Evangelientext belegt oder nur den für ihr Argument nötigen Teil wiedergibt. Dafür muss ihr tatsächlicher Gebrauch verglichen werden.
2. Eusebius kennt die vollständige Formel
In seinem Brief über das Konzil von Nicäa führt Eusebius den Auftrag mit Vater, Sohn und Heiligem Geist ausdrücklich an. Seine verkürzten Wiedergaben beweisen deshalb nicht, dass er ausschließlich einen Matthäustext ohne diese Worte kannte.[2]
Das allein datiert noch nicht jede Formulierung in seinen Schriften. Es widerlegt aber die einfache Gleichung „kurzes Zitat = ursprünglicher Kurztext“. Ein Autor kann denselben Text vollständig zitieren und andernorts zusammenfassend auf ihn verweisen.
3. Die Didache zeigt, wie beide Redeweisen zusammenpassen
Ein besonders aufschlussreicher Vergleich steht in einem einzigen frühen christlichen Dokument. Die Didache schreibt in Kapitel 7 die Taufe auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes vor. In Kapitel 9 bezeichnet sie die Getauften verkürzt als auf den Namen des Herrn Getaufte.[3]
Damit ist historisch greifbar, dass beide Ausdrucksweisen nebeneinander stehen konnten. Die Kurzbezeichnung beschreibt die Zugehörigkeit zu Christus; sie muss nicht die vollständigen bei jeder Taufe gesprochenen Worte protokollieren. Genau deshalb erzwingen die entsprechenden Formulierungen der Apostelgeschichte keinen Widerspruch zu Matthäus.
4. Matthäus 28 hat einen geschlossenen Gedankengang
Der auferstandene Jesus beansprucht alle Vollmacht im Himmel und auf Erden. Auf dieser Grundlage werden alle Völker zu Jüngern gemacht, auf den einen Namen getauft und im Gehorsam gegen seine Lehre unterwiesen. Seine Gegenwart gilt bis zum Ende der Welt. Die Taufformel steht innerhalb dieses umfassenden Anspruchs.
Der Singular „Name“ allein ist kein vollständiger metaphysischer Beweis. Gewicht hat die Verbindung: Vater, Sohn und Geist werden gemeinsam in die grundlegende Zuordnung des Jüngers zu Gott aufgenommen. Die Formel ist nicht ein beiläufiger Zusatz zu einer sonst rein menschlichen Jesusgestalt. Sie passt zu Autorität und Gegenwart des Herrn, mit denen das Evangelium schließt.
Bibeltexte im Zusammenhang
Quellen und Vertiefung
- NET Bible: Matthäus 28,19Textkritische Anmerkung zur unbelegten Kurzfassung.
- Eusebius, Brief über das Konzil von NicäaAbschnitt 3: vollständiges Zitat von Matthäus 28,19.
- DidacheKap. 7 und 9: dreigliedrige Taufformel und verkürzte Bezeichnung der Getauften im selben Werk.