Der Einwand
Wasser führt zu wechselnden Erscheinungsweisen, das Kleeblatt zu Teilen und drei Menschen zu drei Wesen. Wenn jeder anschauliche Vergleich scheitert, bleibt dann von der Trinität mehr als eine unverständliche Formel?
1. Verständlichkeit ist nicht Abbildbarkeit
Ein Satz ist verständlich, wenn seine Begriffe und seine Behauptung erkennbar sind. Er muss sich nicht als kleines Modell auf dem Tisch nachbauen lassen. „Gott erschafft alles, ohne selbst geschaffen zu sein“ hat bestimmten Inhalt, obwohl kein Geschöpf eine vollständige Analogie zum ungeschaffenen Schöpfer liefert. Jesaja 40,18 macht gerade diese Grenze zum Gegenstand seiner Frage nach einem angemessenen Bild Gottes.
2. Die üblichen Bilder verändern den Lehrgehalt
Bei den Wasserzuständen ist dasselbe Material einmal dies, einmal jenes. In der Taufe Jesu begegnen uns dagegen Sohn, Geist und Stimme des Vaters gemeinsam. Beim Kleeblatt ist jedes Blatt ein Teil der Pflanze. Der Sohn besitzt jedoch nicht nur einen Anteil an der Gottheit. Drei Menschen teilen eine Art, bestehen aber als drei getrennte menschliche Wesen. Auch das trifft die eine ungeteilte Gottheit nicht.
Diese Fehler entstehen, wenn eine begrenzte Ähnlichkeit zur vollständigen Erklärung erhoben wird. Man darf an einem Bild eine Dreizahl veranschaulichen. Man darf daraus nicht die Art des göttlichen Seins ableiten.
3. Die bessere Erklärung arbeitet mit Aussagen
Johannes 1,1 verbindet drei Bestimmungen: Der Logos war bereits im Anfang, war bei Gott und war Gott. Johannes 17,24 spricht von der Liebe des Vaters zum Sohn vor der Erschaffung der Welt. Damit sind Ewigkeit, Gottheit und personale Beziehung positiv ausgesagt. Das ist gehaltvoller als ein Gegenstand, der zwar leicht vorstellbar ist, aber gerade diese Beziehungen falsch darstellt.
Thomas unterscheidet entsprechend zwischen dem Beweis einer Wahrheit und einer nachträglichen Veranschaulichung. Ähnlichkeiten können beim Nachdenken helfen, sobald der Offenbarungsinhalt feststeht; sie tragen diesen Inhalt nicht aus eigener Kraft.[1]
4. Das Bild wird am Text gemessen
Die richtige Frage lautet daher nicht: „Welcher Gegenstand ist genauso wie Gott?“ Sie lautet: „Welche Aussage der Schrift hilft dieser Vergleich zu verstehen, und wo endet die Ähnlichkeit?“ Die Antwort kann auch sein, dass ein bestimmtes Bild mehr Verwirrung als Einsicht erzeugt.
Wir müssen Gott nicht in die Grenzen geschaffener Dinge verkleinern, um sinnvoll von ihm zu reden. Seine Offenbarung gibt uns wahre Begriffe; sie verspricht uns kein maßstabgetreues Modell seines Wesens.
Bibeltexte im Zusammenhang
Quellen und Vertiefung
- Thomas von Aquin, Summa theologiaeI, q. 32, a. 1: Natürliche Ähnlichkeiten erläutern eine bereits offenbarte Wahrheit; sie beweisen die Personen nicht.