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CHRISTOlogisch · Trinität · A02

Was Wesen, Person und Gott bedeuten

3 Minuten Lesezeit · Mit Bibeltexten und Quellen

Der Einwand

Wenn „Gott“ einmal den Vater, dann das göttliche Wesen und schließlich Vater, Sohn und Geist bezeichnet, scheint die Trinitätslehre durch einen Bedeutungswechsel dem Widerspruch auszuweichen.

1. Johannes selbst unterscheidet die Aussagen

Johannes 1,1 sagt, dass das Wort bei Gott war und dass das Wort Gott war. Die erste Aussage unterscheidet das Wort von dem, bei dem es ist. Die zweite schreibt dem Wort Gottsein zu. Johannes setzt nicht zuerst zwei Personen auseinander, um sie im nächsten Halbsatz wieder zu einer Person zu machen. Er unterscheidet ihre Beziehung und bekennt zugleich die Gottheit des Wortes.[1]

Das ist kein nachträglicher Trick der Dogmatik. Die Dogmatik benötigt die Unterscheidung gerade deshalb, weil der Text beides sagt. „Bei Gott“ beantwortet hier eine andere Frage als „war Gott“: Bei wem war das Wort? Und was ist das Wort seinem Wesen nach?

2. Wesen bezeichnet kein Material

Mit „Wesen“ meinen wir, was Gott ist: sein ungeschaffenes, ewiges, ungeteiltes Gottsein. Es handelt sich nicht um einen Stoff, aus dem drei Personen bestehen, und nicht um eine vierte Wirklichkeit über ihnen. Ebenso wenig ist Gottheit eine Gattung, unter die mehrere göttliche Exemplare fallen. Vater, Sohn und Geist besitzen nicht je eine eigene Portion desselben Stoffes.

„Person“ bezeichnet dagegen den wirklich unterschiedenen Vater, Sohn oder Geist. Der Vater ist nicht der Sohn; der Sohn ist nicht der Geist. Diese Unterscheidungen sind ewig und gehören zu Gottes eigenem Leben. Sie entstehen nicht erst, wenn Gott sich Menschen zeigt.

„Natur“ bezeichnet hier ebenfalls das eine Gottsein. „Hypostase“ benennt in der ausgebildeten trinitarischen Fachsprache die konkrete Person; „Subsistenz“ betont ihr wirkliches Bestehen, im Unterschied zu einer bloßen Eigenschaft oder Erscheinung. „Relation“ meint eine Beziehung, etwa die Vaterschaft gegenüber dem Sohn. Diese Beziehung unterscheidet die Personen, ohne die Gottheit zu teilen. Bei „Substanz“ ist besondere Sorgfalt nötig: Das Wort kann Wesen oder konkret Bestehendes bezeichnen. Schon Thomas erläutert diese Mehrdeutigkeit. Man darf deshalb nicht dieselbe Übersetzung unbesehen in jeden historischen Text einsetzen.[3]

3. Gleiches Wesen bedeutet nicht austauschbare Personen

Man kann wahrheitsgemäß sagen: Der Sohn ist allwissend; der Vater ist allwissend. Man kann nicht sagen: Der Sohn ist der Vater. Allwissenheit gehört zum göttlichen Wesen. Vaterschaft bezeichnet die besondere Beziehung zum Sohn. Thomas erläutert deshalb, dass Personennamen und Wesensbezeichnungen Unterschiedliches aussagen, ohne zwei Bestandteile in Gott zu benennen.[2]

Die hilfreiche Kurzunterscheidung „Was?“ und „Wer?“ soll genau dies leisten. Sie ist keine vollständige Beschreibung von Gottes Innenleben. Sie verhindert aber, dass wir die Aussage „Der Sohn ist Gott“ unbemerkt in „Der Sohn ist der Vater“ verwandeln.

4. Der Zusammenhang bestimmt die Verwendung

In Johannes 17,1–3 bezeichnet „Gott“ den angeredeten Vater. In Johannes 20,28 spricht Thomas Jesus als seinen Gott an. Derselbe Evangelist überliefert beides. Eine Auslegung, die aus jeder Verwendung von „Gott“ automatisch „ausschließlich der Vater und niemals der Sohn“ macht, legt ihre Schlussfolgerung schon in das Wörterbuch hinein.

Wir ändern die Wortbedeutung deshalb nicht nach Bedarf. Wir legen offen, ob ein Satz eine Person bezeichnet oder deren Gottsein aussagt. Erst mit dieser Klarheit lässt sich ein logischer Einwand überhaupt prüfen. Wer von vornherein „Gott“ als „eine einzige göttliche Person“ definiert, hat die Trinität bereits ausgeschlossen, bevor er ein Argument gegen sie vorgebracht hat.

Bibeltexte im Zusammenhang

Quellen und Vertiefung

  1. Robert L. Reymond, A New Systematic Theology of the Christian FaithKap. 8, Abschnitt „John 1:1“, S. 299–301: Unterscheidung des Wortes vom Vater und seine Gottheit.
  2. Thomas von Aquin, Summa theologiaeI, q. 29, a. 4; q. 39, a. 1–4: Personen, Wesen und die Verwendung des Gottesnamens.
  3. Thomas von Aquin, Summa theologiae, I, q. 29, a. 2 und 4Unterscheidung von Wesen, Hypostase und Subsistenz; der relationale Sinn des göttlichen Personennamens.
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