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CHRISTOlogisch · Trinität · A03

Sind drei Personen zwangsläufig drei eigenständige Wesen?

3 Minuten Lesezeit · Mit Bibeltexten und Quellen

Der Einwand

Drei Personen sind normalerweise drei eigenständige Wesen mit eigenem Bewusstsein und Willen. Wenn das bei Gott anders sein soll, verliert „Person“ dann nicht seinen wirklichen Sinn?

1. Der Einwand macht eine menschliche Eigenschaft zum Gesetz

Drei Menschen sind drei voneinander getrennte Lebewesen. Jeder hat sein eigenes begrenztes Wissen, seine eigene Kraft und seinen eigenen Lebensvollzug. Daraus folgt jedoch nicht, dass jede denkbare personale Unterscheidung genau so beschaffen sein muss. Der Schluss überträgt eine Eigenschaft geschaffener Menschen auf den ungeschaffenen Gott.

Die Schrift geht in der umgekehrten Richtung: Der Mensch ist Gottes Bild. Gott ist nicht ein vergrößerter Mensch. Wir verstehen Gottes Personalität aus seinem Wort und ordnen unsere Vergleiche diesem Wort unter.

2. Der Sohn handelt persönlich, aber niemals unabhängig

Johannes 5,19 ist dafür besonders aufschlussreich. Jesus sagt zunächst, dass der Sohn nichts von sich selbst tun kann. Wer hier abbricht, hört nur Abhängigkeit. Der Satz geht jedoch weiter: Was der Vater tut, das tut der Sohn in gleicher Weise. Es geht um alle Werke des Vaters, nicht um einzelne Aufgaben, die ein schwächerer Helfer übernehmen dürfte.

Der Zusammenhang entfaltet das an der Auferweckung der Toten und an der dem Sohn gebührenden Ehre (Johannes 5,21–23). Der Sohn ist kein unabhängig handelnder zweiter Gott. Er ist aber auch kein Werkzeug außerhalb des göttlichen Wirkens. Die Einheit des Handelns und seine persönliche Unterscheidung vom Vater stehen im selben Gedankengang.

3. Unterschiedenheit benötigt keinen Mangel

Der Vater kennt nicht weniger als der Sohn; der Sohn besitzt keine zusätzliche göttliche Macht, die dem Vater fehlte. Was sie unterscheidet, ist nicht ein Mehr oder Weniger an Gottheit. Der Vater ist Vater des Sohnes, der Sohn Sohn des Vaters. Diese Beziehungen sind nicht austauschbar. Sie begründen wirkliche Unterschiedenheit, ohne Gottes Wesen aufzuteilen.[1]

Deshalb sprechen wir auch nicht von drei voneinander isolierten göttlichen Willenszentren, die sich auf einen gemeinsamen Plan einigen müssten. In der klassischen Trinitätslehre gehört der göttliche Wille zum einen göttlichen Wesen. Die Personen sind keine konkurrierenden Machtträger. Jesu menschlicher Wille betrifft eine andere Frage: die Menschwerdung des Sohnes.[2]

4. Eine Person ist keine Rolle

Die Alternative lautet nicht: entweder drei selbstständige Götter oder drei Masken eines einzigen Ichs. Johannes 17,24 beschreibt die Liebe des Vaters zum Sohn vor Grundlegung der Welt. Diese Beziehung ist älter als jede geschichtliche Offenbarungsrolle. Johannes 14,16 unterscheidet darüber hinaus den Sohn, den Vater und den kommenden Beistand.

Thomas nennt eine göttliche Person deshalb eine „subsistierende Relation“: eine wirkliche personale Beziehung, die nicht als zusätzliche Eigenschaft an einem vorher unpersönlichen Gott hängt.[1] Das Fachwort lässt sich schlicht so zusammenfassen: Der Vater ist nicht zunächst Gott und wird danach Vater. Er ist ewig Gott als Vater des ewigen Sohnes. Die Lehre wahrt damit sowohl das persönliche Gegenüber als auch Gottes ungeteilte Wirklichkeit.

Bibeltexte im Zusammenhang

Quellen und Vertiefung

  1. Thomas von Aquin, Summa theologiaeI, q. 28, a. 2–3; q. 29, a. 4: reale Beziehung und personale Unterscheidung.
  2. Réginald Garrigou-Lagrange, The Trinity and God the CreatorKap. II, S. 128–129: eine göttliche Erkenntnis, ein Wille und ein Sein; Unterscheidung der Relationen.
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