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CHRISTOlogisch · Trinität · J08

Kann das Modell von Statue und Material die Trinität erklären?

3 Minuten Lesezeit · Mit Bibeltexten und Quellen

Der Einwand

Brower und Rea vergleichen die göttlichen Personen mit Dingen, die aus demselben Material bestehen. Macht das Gott nicht zu einem Stoff mit drei Formen oder zu drei zusammengesetzten Wesen?

1. Das Modell beginnt mit einer Streitfrage über gewöhnliche Dinge

Eine Bronzestatue kann ihre Gestalt verlieren, während die Bronze weiterbesteht. Sind Statue und Material deshalb zwei Gegenstände oder in einem bestimmten Sinn ein Gegenstand? Brower und Rea entwickeln daraus den Begriff zahlenmäßiger Selbigkeit ohne vollständige Identität.[1]

Der Vergleich soll zeigen, dass unser Zählen und unsere Identitätsaussagen anspruchsvoller sein können, als eine schnelle Gleichung vermuten lässt. Er beweist noch nicht, dass Gott auf diese Weise existiert.

2. Die Autoren meinen keine göttliche Materie

In der Übertragung steht die eine göttliche Wirklichkeit an der Stelle des gemeinsamen Materials, die personalen Besonderheiten an der Stelle der Formen. Die Autoren unterscheiden ausdrücklich diese Übertragung von körperlicher Materie und von bloß zufälligen Eigenschaften.[1]

Man würde den Vorschlag deshalb verfehlen, wenn man ihn als Behauptung dreier bronzener Götter kritisierte. Die Frage lautet vielmehr, ob die verwendete Struktur bei einem ungeschaffenen, nicht zusammengesetzten Gott überhaupt das erklären kann, was sie erklären soll.

3. Die Grenze liegt bei Zusammensetzung und Personalität

Ein Gegenstand, der erst aus Bestandteilen gebildet wird, setzt diese Bestandteile und ihre Verbindung voraus. Auf Gott übertragen drohte damit eine Erklärung, in der Gott von etwas Grundlegenderem abhängig wäre. Die Lehre von Gottes Einfachheit richtet sich gegen solche Abhängigkeit.[2]

Zudem erklärt ein Unterschied zwischen Stoff und Gestalt noch keine gegenseitige Erkenntnis und Liebe. Vater und Sohn sind im Johannesevangelium nicht lediglich zwei Beschreibungen einer Sache. Eine brauchbare Übertragung muss daher wirkliche personale Beziehungen erklären, ohne drei Teile oder drei getrennte Exemplare Gottes einzuführen.

4. Eine Analogie kann eine Möglichkeit öffnen, ohne die Lehre zu beweisen

Der Gewinn des Modells liegt darin, vorschnelle Gleichsetzungen beim Zählen zu hinterfragen. Seine Wahrheit kann aber nicht daraus folgen, dass man einen Alltagsgegenstand sprachlich auf mehrere Weisen auffassen kann. Auch die zugrunde liegende Philosophie des Materials bleibt zu prüfen.

Wir brauchen deshalb keine Statue, um Johannes 1 zu glauben. Gottes Offenbarung gibt den Inhalt vor; die Analogie wird daran gemessen. Wenn sie an entscheidenden Punkten scheitert, verlieren wir eine Erklärungshilfe. Wir verlieren dadurch nicht die biblischen Gründe für die Gottheit und personale Unterscheidung des Sohnes.

5. Was besondere Teil-Ganzes-Modelle zusätzlich behaupten

„Komposition als Identität“ ist eine zusätzliche metaphysische These: Das Ganze soll mit seinen Teilen zusammen identisch sein. Das bedeutet nicht, dass jedes einzelne Teil mit jedem anderen identisch wäre. Wer eine solche Mehrzahl-zu-Einheit-Identität einführt, muss ihre eigenen Schlussregeln erläutern; die gewöhnliche Ersetzung zweier identischer Einzelgegenstände erledigt das Problem nicht. Für die Trinität bleibt zudem zu zeigen, wie jede Person ganz Gott ist. „Nur die drei zusammen sind Gott“ reicht dafür nicht aus.

Ähnlich trägt das Wort „uneigentlicher Teil“ die Lösung nicht in sich. In der üblichen Teil-Ganzes-Sprache ist ein Ding sein eigener uneigentlicher Teil. Daraus ergeben sich noch keine drei voneinander verschiedenen Personen, die jeweils das Ganze wären. Wer andere Regeln benutzt, muss sie offenlegen und zeigen, dass sie weder drei ergänzungsbedürftige Teilgötter noch drei eigenständige göttliche Wesen ergeben. Diese Einwände betreffen jeweils bestimmte Modelle; sie dürfen nicht unterschiedslos dem Konstitutionsmodell von Brower und Rea zugeschrieben werden.

Bibeltexte im Zusammenhang

Quellen und Vertiefung

  1. Jeffrey E. Brower und Michael C. Rea, Material Constitution and the TrinityFaith and Philosophy 22/1 (2005), S. 57–76; besonders S. 68–69 zur Übertragung auf die göttlichen Personen.
  2. James E. Dolezal, God without PartsZur Zusammensetzung und Abhängigkeit Gottes von vorausgesetzten Bestandteilen.
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