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CHRISTOlogisch · Trinität · I03

Ist die Trinität ein viertes Wesen oder ein Ganzes aus Teilen?

3 Minuten Lesezeit · Mit Bibeltexten und Quellen

Der Einwand

Wenn jede Person Gott ist und außerdem die Trinität Gott ist, scheint es vier göttliche Wesen zu geben. Wenn dagegen erst die drei zusammen Gott ergeben, ist jede Person nur ein Teil Gottes.

1. Die Alternative beruht auf einer falschen Vorstellung von „Wesen“

Das göttliche Wesen ist kein zusätzliches Ding hinter Vater, Sohn und Geist. Wer es als vierten Träger von Bewusstsein oder Handeln vorstellt, hat aus einer Wesensaussage eine weitere Person gemacht. Ebenso ist „Trinität“ nicht der Eigenname eines vierten Akteurs. Der Ausdruck bezeichnet den einen Gott als Vater, Sohn und Geist.

Andererseits ist die Gottheit keine Gesamtmenge, zu der jede Person einen Anteil beiträgt. Kolosser 2,9 spricht von der ganzen Fülle der Gottheit in Christus. Die Aussage lässt keinen Sohn zu, der für sich genommen nur ein Drittel göttlich wäre.

2. Teile ergänzen einen Mangel; die göttlichen Personen tun das nicht

Ein Bauteil besitzt nicht die Vollständigkeit des zusammengesetzten Ganzen. Es ergänzt andere Teile und wird von ihnen ergänzt. Genau dieses Verhältnis wird für die göttlichen Personen verneint. Der Sohn erhält nicht zusätzliche Allmacht, wenn man den Vater hinzunimmt; der Geist füllt keine Lücke im göttlichen Wissen.

Die personale Unterscheidung fügt dem göttlichen Wesen keine Vollkommenheit hinzu, die einer Person fehlte. Sie betrifft das unverwechselbare Vatersein, Sohnsein und Geistsein. Darum kann volle Gottheit jeder Person zukommen, ohne dass man drei Portionen addiert.[1]

3. Zusammensetzung würde Gottes Ursprünglichkeit zerstören

Ein aus Bestandteilen bestehendes Wesen hängt davon ab, dass diese Bestandteile zusammen sind. Seine Einheit wäre erklärungsbedürftig. Die klassische Lehre der göttlichen Einfachheit bestreitet genau diese Abhängigkeit: Gott wird nicht durch etwas noch Grundlegenderes zu Gott gemacht.[2]

Diese Überlegung ersetzt nicht die biblische Offenbarung der Personen. Sie schützt vielmehr davor, die offenbarte Dreiheit nach dem Muster eines Vereins, eines Organismus oder eines dreiteiligen Gegenstandes auszulegen. Solche Bilder können die gemeinsame Aufmerksamkeit illustrieren, aber nicht Gottes Wesen abbilden.

4. Man muss nicht zwischen Viertem und Dritteln wählen

Die beiden angebotenen Möglichkeiten sind nur vollständig, wenn jede wirkliche Unterscheidung entweder Trennung oder Teilung sein müsste. Gerade das bestreitet die trinitarische Aussage: Vater und Sohn sind relational unterschieden, ohne getrennte göttliche Existenzen oder unvollständige Teile zu sein.

Thomas formuliert deshalb, dass das Wesen nicht von den Personen getrennt und in ihnen nicht vervielfältigt ist.[1] Die Lehre bleibt anspruchsvoll; sie ist aber nicht die Behauptung eines vierten Gottes oder dreier Teilgötter. Wer sie unter eine dieser beiden Beschreibungen zwingt, hat ihre entscheidende Unterscheidung bereits entfernt.

5. Ein Gruppenbewusstsein wäre eine zusätzliche Behauptung

Eine Mannschaft ist nicht im selben Sinn ein Spieler, in dem ihre Mitglieder Spieler sind. Entsprechend würde „die Gemeinschaft ist Gott“ noch nicht erklären, wie jede Person ganz Gott ist. Werden drei selbständige göttliche Wesen erst zur Gemeinschaft verbunden, bleibt die Mehrzahl der Wesen bestehen; erhält die Gemeinschaft darüber hinaus ein eigenes Ich, entsteht tatsächlich ein vierter personaler Träger.

Die klassische Lehre setzt beides nicht voraus. Gottheit ist weder ein Vereinsname noch ein aus drei Teilbewusstseinen entstehendes Gesamtbewusstsein. Vater, Sohn und Geist besitzen nicht jeweils ein Drittel des göttlichen Erkennens. Die eine Erkenntnis gehört ihnen ungeteilt; sie ist kein zusätzliches Subjekt neben ihnen. Damit ist ein bestimmtes Gruppenmodell ausgeschlossen. Wie reale personale Unterscheidung und dieses eine Erkennen zusammengehören, muss die Lehre von den Personen erklären; die bloße Gruppenanalogie leistet es nicht.

Bibeltexte im Zusammenhang

Quellen und Vertiefung

  1. Thomas von Aquin, Summa theologiaeI, q. 39, a. 1–3: Wesen und Personen; keine vom Vater und Sohn abgetrennte gemeinsame Substanz.
  2. James E. Dolezal, God without PartsKap. 2: Zusammensetzung und Abhängigkeit; Darstellung der thomanischen Unterscheidungen.
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