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CHRISTOlogisch · Trinität · I02

Warum sind drei göttliche Personen nicht drei Götter?

3 Minuten Lesezeit · Mit Bibeltexten und Quellen

Der Einwand

Drei menschliche Personen mit derselben menschlichen Natur sind drei Menschen. Wenn Vater, Sohn und Geist dieselbe göttliche Natur besitzen, müssen sie entsprechend drei Götter sein.

1. „Dieselbe Natur“ kann zweierlei heißen

Bei drei Menschen meint „dieselbe Natur“ eine gemeinsame Art: Alle sind Menschen. Ihr konkretes Sein bleibt jedoch getrennt. Jeder hat seinen eigenen begrenzten Verstand, seinen eigenen Willen und seine eigene Existenz. Die Menschheit des einen ist nicht zahlenmäßig dasselbe konkrete Leben wie die des anderen.

Die klassische Trinitätslehre sagt ausdrücklich mehr als eine solche Artgleichheit. Vater, Sohn und Geist teilen nicht nur dieselbe Definition von Göttlichkeit. Sie sind in dem einen ungeteilten göttlichen Sein. Thomas arbeitet diesen Unterschied heraus: Die menschliche Natur vervielfältigt sich in menschlichen Individuen; die göttliche Wesenheit wird durch die Personen nicht vervielfältigt.[1]

2. Die Schrift beschreibt keine göttliche Arbeitsgemeinschaft

Johannes 5,19 sagt nicht nur, der Sohn könne nichts von sich aus tun. Der Satz fährt fort: Was der Vater tut, tut ebenso der Sohn. In Vers 21 gibt der Sohn Leben, wem er will; Vers 23 fordert dieselbe Ehre für Sohn und Vater. Diese Einheit ist umfassender als die Zusammenarbeit zweier begrenzter Akteure.

Johannes 10,28–30 beschreibt dieselbe unüberwindbare Bewahrung der Schafe in der Hand Jesu und in der Hand des Vaters und begründet sie mit ihrer Einheit. Johannes 14,10–11 ergänzt das gegenseitige Innewohnen. Die Texte liefern keinen Bauplan des göttlichen Seins, aber sie widersprechen dem Bild nebeneinander bestehender göttlicher Individuen.

Deshalb lässt sich diese Antwort nicht auf jedes Pantheon übertragen. Wenn drei Gottheiten drei eigene Lebensakte, Machtbereiche oder voneinander unabhängige göttliche Wesen besitzen, bleiben es drei Götter – selbst bei notwendiger Harmonie. Sie nachträglich „Personen eines Gottes“ zu nennen, ändert daran nichts. Die trinitarische Aussage beansprucht die eine ungeteilte göttliche Wirklichkeit selbst; sie muss an diesem stärkeren Anspruch gemessen werden.

3. Personale Unterschiede sind keine zusätzlichen Gottheiten

Der Vater ist nicht der Sohn, weil Vatersein und Sohnsein wirkliche, nicht austauschbare Beziehungen sind. Der Unterschied besteht nicht darin, dass der Vater mehr Macht oder ein anderes göttliches Wissen besitzt. Ebenso ist der Geist keine dritte Portion göttlicher Wirklichkeit.

Darum bekennt die klassische Lehre ein göttliches Erkennen und Wollen. Drei voneinander unabhängige Allwissenheiten oder drei konkurrierende göttliche Entscheidungszentren würden die Einheit gerade wieder auflösen. Das menschliche Modell „drei Personen = drei getrennte Wesen“ darf nicht stillschweigend zur Definition jeder möglichen Personalität erhoben werden.[2]

4. Der Vergleich setzt voraus, was er beweisen soll

Das Menschenbeispiel beweist den Tritheismus nur, wenn Gott genau so vervielfältigt werden kann wie geschaffene Naturen. Damit wäre er jedoch bereits als Mitglied einer Gattung behandelt, statt als der eine ungeschaffene Ursprung aller Gattungen.

Wir gewinnen Gottes Sein nicht durch Hochrechnung menschlicher Individuen. Wir empfangen seine Selbstoffenbarung und unterscheiden entsprechend: reale Personen, keine getrennten göttlichen Wesen. Die Einheit ist dabei ebenso unverzichtbarer Inhalt der Offenbarung wie die Unterscheidung. Wer eine Seite streicht, vereinfacht nicht die Lehre, sondern verändert ihren Gegenstand.

Bibeltexte im Zusammenhang

Quellen und Vertiefung

  1. Thomas von Aquin, Summa theologiaeI, q. 39, a. 2–3: eine Wesenheit, keine dreifache Instanziierung wie bei Menschen.
  2. Réginald Garrigou-Lagrange, The Trinity and God the CreatorAbschnitt „The Divine Relations“, S. 128–129: keine dreifache göttliche Vernunft, kein dreifacher göttlicher Wille.
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