Der Einwand
Die ausdrückliche Aussage über Vater, Wort und Heiligen Geist als drei himmlische Zeugen in 1. Johannes 5,7 ist ein späterer Zusatz. Das zeigt doch, dass die Trinität erst nachträglich in die Bibel hineingeschrieben wurde.
1. Der Zusatz ist als Beleg auszuscheiden
Das sogenannte Comma Johanneum fehlt in den frühen griechischen Textzeugen und in der breiten griechischen Überlieferung. Seine spätere Aufnahme in einzelne Handschriften und gedruckte Ausgaben erklärt, warum manche Übersetzungen es enthalten. Es sollte nicht als ursprünglicher Wortlaut des Johannes und damit nicht als Beweistext verwendet werden.[1]
Das ist keine Preisgabe der Schrift. Die Autorität der Schrift gehört dem von Gott gegebenen Text, nicht jeder späteren Randbemerkung oder Abschriftenerweiterung. Gerade die Bindung an die Schrift verlangt, zwischen beidem zu unterscheiden.
2. Der ursprüngliche Abschnitt hat einen anderen Schwerpunkt
1. Johannes 5,6–12 handelt vom Zeugnis für Jesus Christus: Geist, Wasser und Blut stimmen in ihrem Zeugnis überein. Der Geist bezeugt die Wahrheit; Gottes Zeugnis betrifft seinen Sohn und das Leben in ihm. Johannes entwickelt hier keine Kurzdefinition der drei göttlichen Personen.
Der Gedankengang gewinnt durch das Weglassen des Zusatzes an Zusammenhang: Von Jesu Kommen durch Wasser und Blut führt er zum dreifachen Zeugnis und dann zur Verbindlichkeit des göttlichen Zeugnisses. Die christologische Aussage bleibt bestehen, ohne eine fremde Formel einzufügen.
3. Die Schlussfolgerung des Einwands geht über den Befund hinaus
Aus „dieser Satz ist später hinzugekommen“ folgt nicht „jede Lehre, für die man ihn verwendet hat, wurde dadurch erfunden“. Dafür müsste gezeigt werden, dass die Lehre ohne diesen Satz keine biblische Grundlage besitzt. Tatsächlich bestehen die Aussagen über das göttliche Wort, die Verehrung des Sohnes und das personale Wirken des Geistes unabhängig davon.[2]
Die Trinität wird aus dem Zusammenhang dieser Aussagen erkannt: ein Gott; der Vater, der Sohn und der Geist wirklich unterschieden; jeder in Gottes eigener Wirklichkeit und seinem Handeln bezeugt. Johannes 1,1–3, Johannes 20,28, Matthäus 28,19 und 1. Korinther 12,4–11 verlieren durch die Textgeschichte von 1. Johannes 5 kein einziges Wort.
4. Textkritik und Theologie dürfen nicht verwechselt werden
Bei einer Lesart fragt man nach Überlieferungszeugen und der Erklärung ihrer Entstehung. Bei einer Lehre fragt man nach dem Sinn und Zusammenhang der zuverlässig überlieferten Aussagen. Eine bevorzugte Lehre darf keine schwach bezeugte Lesart retten; eine ausgeschiedene Lesart darf umgekehrt keine unabhängig bezeugte Lehre erledigen.
Darum lautet die christliche Antwort ohne Ausweichbewegung: Wir verwenden diesen Zusatz nicht. Unser Bekenntnis zum dreieinigen Gott beruht auf dem Schriftzeugnis, das auch ohne ihn vorliegt.
Bibeltexte im Zusammenhang
Quellen und Vertiefung
- NET Bible: 1. Johannes 5,7–8Textkritische Anmerkung zum Comma Johanneum und seiner Überlieferung.
- Wayne Grudem, Biblische DogmatikKap. 14, S. 256–257: ausdrückliche Ablehnung des Zusatzes als Beweistext bei gleichzeitiger Begründung der Trinität aus anderen Stellen.