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CHRISTOlogisch · Trinität · J12

Muss man für die Trinität wahre Widersprüche zulassen?

3 Minuten Lesezeit · Mit Bibeltexten und Quellen

Der Einwand

Jc Beall verteidigt eine Trinitätslehre, in der Widersprüche über Gott wahr sein können. Ist das die konsequente Lösung, wenn klassische Logik die Lehre nicht zulässt?

1. Der Vorschlag darf nicht als bloße Denkverweigerung beschrieben werden

Beall entwickelt einen bestimmten logischen Ansatz. Er hält manche widersprüchlichen Aussagen über Gott für wahr und bestreitet, dass daraus beliebige Aussagen folgen müssten.[1] Das ist anspruchsvoller als die Behauptung, bei Gott dürfe man überhaupt nicht mehr argumentieren.

Parakonsistente Logik verhindert, dass jede Inkonsistenz ein ganzes System trivial macht. Daraus folgt jedoch noch nicht, dass die Wirklichkeit selbst wahre Widersprüche enthält. Eine Logik zum Umgang mit widersprüchlichen Angaben und die Behauptung eines widersprüchlichen Gottes sind verschiedene Thesen.

2. Die behauptete Notwendigkeit hängt an der Formalisierung

Wenn „der Vater ist Gott“ und „der Sohn ist Gott“ als vollständige Identitäten mit demselben Individuum verstanden werden, entsteht beim zusätzlichen Satz „der Vater ist nicht der Sohn“ tatsächlich ein Konflikt. Doch gerade die erste Übersetzung muss begründet werden.

Die klassische Unterscheidung von Wesen und Person behauptet nicht die Identität und Nichtidentität derselben Personen in derselben Hinsicht.[2] Wer diese Unterscheidung für unzureichend hält, muss zeigen, warum sie scheitert. Man darf nicht zuerst eine umstrittene Übersetzung festlegen und deren Widerspruch anschließend als Eigenschaft Gottes ausgeben.

3. Gottes Wahrhaftigkeit ist kein beliebig austauschbarer Maßstab

Die Schrift stellt Gottes Treue seiner Selbstverleugnung entgegen und nennt ihn den Gott, der nicht lügt. Diese Aussagen sind keine vollständige Abhandlung über formale Logik. Sie begründen aber, warum wir seine Offenbarung als wahrhaftige und verlässliche Rede empfangen.

Wenn ein Modell behauptet, bestimmte Aussagen über Gott seien zugleich wahr und falsch, muss es erklären, weshalb gerade diese Aussagen so behandelt werden sollen. Die bloße Schwierigkeit einer menschlichen Erklärung liefert diesen Grund nicht. Unergründlichkeit ist kein positiver Beleg für Widersprüchlichkeit.

4. Unsere Antwort bewahrt die jeweilige Hinsicht

Der Sohn ist Gott dem Wesen nach und vom Vater persönlich unterschieden. In der Menschwerdung ist er ewig seiner Gottheit nach und zeitlich geboren seiner Menschheit nach. Solche Unterscheidungen wollen keinen erwiesenen Widerspruch verstecken; sie geben an, was überhaupt behauptet wird.

Wir übernehmen deshalb Bealls zusätzliche These wahrer Widersprüche nicht. Die Beweislast liegt bei dem Nachweis, dass die offenbarte Lehre ohne diese These unhaltbar wäre. Ein gescheitertes Erklärungsmodell oder ein irreführender Gleichheitssatz genügt dafür nicht. Gottes Offenbarung fordert genaues Denken, nicht die Preisgabe ihrer bestimmten Aussagen.

Bibeltexte im Zusammenhang

Quellen und Vertiefung

  1. Jc Beall, Divine Contradiction: some snippetsReligious Studies 60/4 (2024), S. 680–683; eigene Zusammenfassung des Ansatzes wahrer göttlicher Widersprüche.
  2. Thomas von Aquin, Summa theologiaeI, q. 28, a. 3: Personale Unterscheidung und die genaue Hinsicht, in der Beziehungen unterschieden werden.
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