Der Einwand
Vater und Sohn sollen derselbe Gott, aber verschiedene Personen sein. Ist das nicht eine Sonderlogik, die das Identitätsgesetz nur für die Trinität außer Kraft setzt?
1. Die klassische Identitätsregel ist eindeutig
Wenn A mit B und B mit C in jeder Hinsicht identisch ist, ist A mit C identisch. Würde man Vater, Sohn und Gott wie drei austauschbare Namen derselben Person behandeln, könnte man die persönliche Unterscheidung nicht gleichzeitig festhalten.
Die Trinitätslehre behauptet deshalb nicht, Vater und Sohn seien dieselbe Person. Sie unterscheidet ausdrücklich die Frage nach dem einen göttlichen Wesen von der Frage nach den Personen. Diese Unterscheidung allein ist allerdings noch keine vollständige formale Theorie ihrer Beziehung.
2. Relative Identität ist ein bestimmter Erklärungsvorschlag
Der Ansatz formuliert etwa: Vater und Sohn sind derselbe Gott, aber nicht dieselbe Person. Umstritten ist, ob Identität immer relativ zu einer Artbestimmung gedacht werden darf oder ob eine solche Rede absolute Identität letztlich voraussetzt. Nicht alle Varianten gehen dabei gleich weit.
Branson unterscheidet entsprechend formale Sprache, Interpretation und die Regeln, nach denen gezählt wird.[1] Ein Trinitarier muss daher offenlegen, welche dieser Annahmen sein konkretes Modell verwendet. Das bloße Wiederholen von „derselbe, aber verschieden“ reicht als Begründung nicht aus.
3. Eine Unterscheidung ist nicht automatisch ein Regelbruch
Ein und dieselbe Person kann mehrere Beziehungen besitzen. Daraus folgt noch keine Trinität; es zeigt nur, dass unterschiedliche Beziehungsbegriffe nicht unterschiedslos wie verschiedene Wesen gezählt werden dürfen. Umgekehrt wären drei getrennte Wesen nicht schon deshalb eines, weil man sie anders benennt.
Die klassische Rede von realen göttlichen Beziehungen versucht, beide Fehler zu vermeiden: Die Personenunterscheidung ist wirklich, die Gottheit wird dabei nicht vervielfacht.[2] Ob eine moderne Identitätstheorie dies treffend formalisiert, muss an ihrer genauen Bedeutung geprüft werden, nicht an einem mehrdeutigen Schlagwort.
4. Das Modell trägt nicht die Autorität der Offenbarung
Wir müssen nicht behaupten, jede relative Identitätstheorie sei richtig. Ebenso wenig darf eine Kritik an einem solchen Modell als Widerlegung sämtlicher trinitarischer Aussagen ausgegeben werden. Sie trifft zunächst die jeweils untersuchte Formalisierung.
Der biblische Ausgangspunkt bleibt bestimmt: Der Sohn ist beim Vater, ist kein Geschöpf und besitzt die volle Gottheit. Eine hilfreiche Theorie erklärt, wie diese Aussagen zusammengehören. Eine unzureichende Theorie wird korrigiert. Das ist begriffliche Rechenschaft, kein Freibrief, Widersprüche durch religiöse Ausnahmeregeln wahr zu machen.
Bibeltexte im Zusammenhang
Quellen und Vertiefung
- Beau Branson, No New Solutions to the Logical Problem of the TrinityJournal of Applied Logics 6/6 (2019), S. 1051–1092; insbesondere die Unterscheidung von Identität und Zählregeln.
- Thomas von Aquin, Summa theologiaeI, q. 28, a. 3: Reale Unterscheidung der entgegengesetzten Beziehungen bei ungeteilter göttlicher Wirklichkeit.