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CHRISTOlogisch · Trinität · J07

Führen soziale Trinitätsmodelle zu drei Göttern?

4 Minuten Lesezeit · Mit Bibeltexten und Quellen

Der Einwand

Wenn Vater, Sohn und Geist als drei bewusste Akteure gedacht werden, scheint Gott eine Gemeinschaft dreier göttlicher Wesen zu sein. Eine solche Gemeinschaft wäre doch Tritheismus.

1. Gemeinsame Liebe allein macht mehrere Wesen nicht zu einem

Drei Menschen bleiben drei Menschen, auch wenn sie vollkommen übereinstimmen. Wenn ein Modell Gottes Einheit nur als Harmonie verschiedener göttlicher Wesen erklärt, hat es die Aussage von einem Gott noch nicht begründet.

Die biblische Einheit ist anspruchsvoller. Jesaja beschreibt den einen Schöpfer als alleinigen Ursprung von Himmel und Erde. Seine Einheit wird nicht erst durch eine Vereinbarung mehrerer ursprünglich selbständiger Mächte hergestellt.

2. „Sozial“ bezeichnet keine einheitliche Theorie

Swinburne entwickelt eine Erklärung über drei göttliche Personen und ihre notwendigen Ursprungs- und Liebesbeziehungen. Er will ihre Einheit nicht als zufälliges Bündnis verstehen.[1] Dennoch bleibt zu prüfen, ob notwendige Verbundenheit bereits die geforderte Einheit des göttlichen Wesens ergibt.

Craig setzt dagegen ausdrücklich ein einziges geistiges Wesen mit drei personalen Zentren an. Sein Modell darf daher nicht einfach als drei voneinander getrennte Seelen wiedergegeben werden.[2] Die Gegenfrage lautet hier genauer, wie jedes personale Zentrum ganz Gott ist und nicht nur ein Bestandteil eines größeren göttlichen Ganzen.

Bei Swinburne trifft die Frage nach der Selbstexistenz deshalb einen bestimmteren Punkt: Wenn der Vater Ursprung der anderen Personen ist, muss das Modell erläutern, in welchem Sinn alle dieselbe ungeschaffene Unabhängigkeit besitzen. Ewiges und notwendiges Hervorbringen schließt einen zeitlichen Anfang aus; es beseitigt nicht automatisch jede erklärende Asymmetrie. Die klassische Antwort unterscheidet den personalen Ursprung von einem Hervorbringen eines zweiten göttlichen Wesens. Daran ist zu messen, ob Swinburnes besondere Erklärung die eine Gottheit wahrt.[1]

Bei Craig muss entsprechend die eine Seele von einem zusätzlichen vierten Ich unterschieden werden. Werden die Zentren nur als Vermögensbündel verstanden, bleibt ihre vollständige Personalität erklärungsbedürftig; werden sie zu selbständigen göttlichen Substanzen gemacht, geht die behauptete Einheit verloren. Craig will gerade ein einziges geistiges Wesen mit drei personalen Zentren vertreten.[2] Die Kritik muss deshalb angeben, welche seiner Annahmen diese beiden Grenzen nicht zusammen bewahren kann. Die bloße Zahl drei entscheidet das noch nicht.

3. Der Maßstab sind beide Seiten des Schriftbefundes

Johannes 17,24 verhindert, die ewige Liebe zwischen Vater und Sohn zu einer bloßen Rolle gegenüber der Welt abzuschwächen. Johannes 1,3 verhindert zugleich, den Sohn unter die geschaffenen Vermittler einzuordnen. Keiner dieser Texte erklärt Gott als Zusammensetzung dreier Teilwesen.

Ein Modell muss daher wirkliche personale Beziehungen und ungeteilte Gottheit gemeinsam erklären. Die klassische Tradition bindet Erkennen, Wollen und Macht an die eine göttliche Natur.[3] Das ist gerade der Versuch, reale Gemeinschaft ohne drei selbständige Gottheiten zu denken.

Auch wechselseitige Liebe ist nicht schon wechselseitige Bedürftigkeit. Ein Modell würde Gottes Vollkommenheit dann verletzen, wenn die Personen erst voneinander lernen, fehlende Kräfte ergänzen oder ihre Konflikte aushandeln müssten. Das folgt nicht allein daraus, dass sie einander lieben. Entscheidend ist, ob die Gemeinschaft ewige Fülle ausdrückt oder einen Mangel ausgleicht.

4. Wir müssen nicht jedes trinitarisch genannte Modell verteidigen

Ein Erklärungsversuch kann einen Aspekt treffend hervorheben und dennoch an anderer Stelle Schwierigkeiten erzeugen. Ihn zu kritisieren bedeutet nicht, die Gottheit des Sohnes zu leugnen. Es bedeutet, die Erklärung an der Lehre zu messen, die sie erklären soll.

Der Einwand trifft deshalb jedes Modell, das aus Gott eine bloße Gesellschaft macht. Er trifft die Trinitätslehre insgesamt erst dann, wenn gezeigt wäre, dass reale personale Unterscheidung notwendig drei getrennte göttliche Wesen bedeutet. Genau diese Voraussetzung ist umstritten; die Bezeichnung „drei Personen“ beweist sie nicht.

Bibeltexte im Zusammenhang

Quellen und Vertiefung

  1. Richard Swinburne, The Social Theory of the TrinityReligious Studies 54/3 (2018), S. 419–437; eigene Darstellung des sozialen Modells.
  2. William Lane Craig, Trinity Monotheism Once More: A Response to Daniel Howard-SnyderVerteidigung eines einzigen geistigen Wesens mit drei personalen Zentren.
  3. Réginald Garrigou-Lagrange, The Trinity and God the CreatorS. 128–131: klassische Bestreitung dreier getrennter göttlicher Erkenntnis- und Willensvermögen.
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