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CHRISTOlogisch · Trinität · I05

Ein göttlicher Verstand – wie können sich drei Personen lieben?

3 Minuten Lesezeit · Mit Bibeltexten und Quellen

Der Einwand

Wenn Vater, Sohn und Geist nur einen Verstand besitzen, scheint ihre gegenseitige Liebe bloße Selbstliebe einer einzigen Person zu sein. Sind drei Bewusstseinszentren nicht unvermeidlich?

1. „Bewusstsein“ enthält mehrere mögliche Behauptungen

Das Wort kann Erkenntnisfähigkeit, einen Bestand an Gedanken oder ein personales Selbstverhältnis bezeichnen. Aus drei realen Selbstverhältnissen folgt nicht schon dreimal voneinander unabhängige göttliche Erkenntnisfähigkeit. Wer beides gleichsetzt, hat die strittige Gleichsetzung bereits in seine Definition eingebaut.

Die klassische Aussage von einem göttlichen Verstand bestreitet nicht, dass der Vater den Sohn kennt. Sie bestreitet, dass Gott aus drei getrennten geistigen Wesen besteht, deren Wissen erst miteinander abgestimmt werden müsste.[1]

2. Johannes spricht von Liebe vor jeder Schöpfung

In Johannes 17,24 sagt Jesus, der Vater habe ihn vor Grundlegung der Welt geliebt. Diese Beziehung entsteht also nicht erst, wenn Gott gegenüber Menschen verschiedene Rollen annimmt. Johannes 1,1 verbindet das Sein des Logos bei Gott mit seiner Gottheit. Beziehung und Gottheit stehen zusammen im Text.

Damit ist auch die Ausflucht ausgeschlossen, der Vater liebe lediglich seine künftige menschliche Erscheinung. Der Zusammenhang von Johannes 17,5 und 17,24 spricht von gemeinsamer Herrlichkeit und persönlicher Liebe vor der Welt. Die Beziehung gehört zu Gottes eigenem Leben.

3. Einheit des Wesens ist keine Identität der Personen

Thomas beschreibt die Personen als wirklich bestehende Beziehungen.[2] Das meint keine leeren Verbindungslinien zwischen drei zuerst unabhängig existierenden Göttern. Vater und Sohn sind vielmehr gerade als Vater und Sohn voneinander unterschieden, ohne je getrennte Gottheiten zu sein.

Liebe benötigt hier einen wirklichen Liebenden und einen wirklichen Geliebten. Sie benötigt nicht Unwissenheit, räumlichen Abstand oder die Möglichkeit feindlicher Interessen. Solche Grenzen prägen unsere Beziehungen; sie machen Beziehung nicht erst zu Beziehung. Vollkommene Gemeinschaft wäre nicht dadurch vollkommener, dass ihre Einheit jederzeit zerbrechen könnte.

4. Das Modell bleibt dem Offenbarungsbefund untergeordnet

Moderne Theologen verwenden die Rede von „Bewusstseinszentren“ unterschiedlich. In einem begrenzten Sinn kann sie personale Selbstunterscheidung hervorheben. Als Behauptung dreier eigenständiger geistiger Substanzen verändert sie dagegen die Lehre von der ungeteilten Gottheit.

Wir müssen daher nicht zwischen einem einsamen göttlichen Schauspieler und einem Bund dreier Götter wählen. Die Schrift bezeugt reale ewige Gemeinschaft in dem einen Gott. Wie diese Erkenntnis philosophisch beschrieben wird, muss beide Aussagen bewahren. Die Begrenztheit menschlicher Bewusstseinsmodelle berechtigt nicht dazu, eine der beiden zu streichen.

5. Sender, Gesandter und zwei Zeugen

Wenn der Vater den Sohn sendet, sendet er tatsächlich einen anderen: Der Sohn ist nicht der Vater. Johannes 3,17 und 17,18 sprechen von dieser personalen Beziehung. Daraus folgt nicht, dass der Gesandte ein anderes göttliches Wesen sein muss. „Gott sendet Gott“ wird erst widersinnig, wenn man „Gott“ beide Male mit derselben Person gleichsetzt. Die trinitarische Aussage behauptet gerade keine solche Selbstsendung.

In Johannes 8,17–18 beruft sich Jesus auf zwei Zeugen: sich selbst und den Vater, der ihn gesandt hat. Das ist ein Argument für ihre wirkliche personale Verschiedenheit. Zwei Zeugen sind nicht schon deshalb einer, weil ihre Aussagen vollkommen übereinstimmen; umgekehrt macht eine Mehrzahl der Zeugen nicht automatisch eine Mehrzahl göttlicher Naturen. Jesus behandelt hier die Gültigkeit seines Zeugnisses, nicht die Zahl getrennter Erkenntnisvermögen. Wer daraus zwei göttliche Geister ableiten will, muss zusätzlich begründen, weshalb zwei personale Zeugen notwendig zwei getrennte Wesen mit je eigener göttlicher Erkenntniskraft wären.

Bibeltexte im Zusammenhang

Quellen und Vertiefung

  1. Réginald Garrigou-Lagrange, The Trinity and God the CreatorS. 128–131: ein göttliches Erkennen und Wollen bei realen personalen Beziehungen.
  2. Thomas von Aquin, Summa theologiaeI, q. 29, a. 4: Personen sind keine bloß gedanklichen Beziehungen.
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