Der Einwand
Beau Bransons Aufsatz heißt „No New Solutions to the Logical Problem of the Trinity“. Bedeutet das, dass alle Lösungen ausgeschöpft und gescheitert sind?
1. „Keine neue Art“ bedeutet nicht „keine richtige Antwort“
Eine vollständige Einteilung kann zeigen, dass jeder denkbare Vorschlag zu einer schon bekannten Klasse gehört. Daraus folgt nicht, dass jede Klasse leer oder jeder ihrer Vertreter falsch ist. Auch eine neue mathematische Lösung kann eine längst bekannte Beweisform besitzen.
Man muss deshalb zwischen der Einteilung von Lösungsmöglichkeiten und der Bewertung jeder einzelnen Möglichkeit unterscheiden. Der Titel eines Aufsatzes ersetzt diese Unterscheidung nicht.
2. Branson untersucht die Form der möglichen Antworten
Branson ordnet die Formalisierungen des Trinitätsproblems nach gemeinsamen logischen Merkmalen. Am Ende bleiben für nicht häretische Lösungen zwei breite Familien: unterschiedliche Verwendungen von „ist Gott“ und Zählweisen, die nicht allein auf klassischer Identität beruhen. Die Einzelmodelle innerhalb dieser Familien können verschieden sein.[1]
Sein Ergebnis lautet nicht, sämtliche darin liegenden Antworten seien widerlegt. Es lautet, dass sie bestimmte umstrittene Voraussetzungen teilen. Wer genau diese Voraussetzungen grundsätzlich ausschließt, kann nicht auf ein späteres Modell hoffen, das denselben formalen Anforderungen ohne sie genügt.
3. Umstritten ist nicht dasselbe wie widersprüchlich
Eine Theorie kann logisch widerspruchsfrei und dennoch metaphysisch unplausibel sein. Umgekehrt kann eine Formalisierung widersprüchlich sein, weil sie den gemeinten Inhalt falsch wiedergibt. Beides muss getrennt untersucht werden.
Wer beispielsweise jede Gottheitsaussage als Identität mit derselben Einzelperson formalisiert, erhält einen Konflikt mit der personalen Unterscheidung. Daraus folgt unmittelbar ein Problem dieser Interpretation. Um die Lehre selbst zu widerlegen, müsste zusätzlich begründet werden, weshalb gerade diese Interpretation ihren Inhalt zutreffend und alternativlos erfasst.
4. Die Untersuchung fordert Präzision statt Resignation
Wir sollten daher offen angeben, wie wir von dem einen Wesen und den drei Personen sprechen. Die Unterscheidung zwischen Wesensaussage und personaler Identität darf kein versteckter Wortwechsel bleiben. Sie muss erklären, warum der Sohn ganz Gott ist, ohne der Vater zu sein oder einen zweiten Gott darzustellen.
Bransons Analyse verschärft diese Aufgabe; sie erledigt sie nicht zugunsten des Unitarismus. Der biblische Befund wird weiterhin durch Exegese bestimmt. Philosophische Modelle können seine begriffliche Darstellung klären oder verfehlen. Ein begrenzter Vorrat an formalen Erklärungstypen entscheidet für sich allein nicht, welche Darstellung wahr ist.
Bibeltexte im Zusammenhang
Quellen und Vertiefung
- Beau Branson, No New Solutions to the Logical Problem of the TrinityJournal of Applied Logics 6/6 (2019), S. 1051–1092; insbesondere Schlussabschnitt S. 1088–1090.