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CHRISTOlogisch · Trinität · I08

Wenn Gott dreieinig ist, müsste dann auch der Sohn dreieinig sein?

2 Minuten Lesezeit · Mit Bibeltexten und Quellen

Der Einwand

Gott ist dreieinig. Der Sohn ist Gott. Also müsste der Sohn dreieinig sein. Die Trinitätslehre bestreitet den Schluss und scheint damit eine einfache logische Folgerung zu verletzen.

1. Der Schluss funktioniert nur bei gleichbleibendem Bezug

Wäre „Gott“ durchgehend der Eigenname einer vierten Person und „der Sohn ist Gott“ eine Identifikation mit dieser Person, wäre der Schluss zwingend. Genau das lehrt die Trinitätslehre jedoch nicht. Neben Vater, Sohn und Geist gibt es keinen weiteren göttlichen Träger, mit dem jede Person identisch gemacht werden müsste.

Mooneys Einwand macht eine wichtige Präzisierungsaufgabe sichtbar: Wir müssen erklären, welche Aussage „ist Gott“ jeweils trifft, statt das Wort unbemerkt zwischen verschiedenen Bedeutungen wechseln zu lassen.[1]

2. Dreieinigkeit bezeichnet keine vierte Wesenseigenschaft einer Einzelperson

Allwissenheit bezeichnet eine göttliche Vollkommenheit. „Dreieinig“ bezeichnet dagegen, dass das eine göttliche Wesen in Vater, Sohn und Geist besteht. Es besagt nicht, jede Person habe nochmals drei Personen in sich. Die personale Ordnung wird sonst bei jeder Person erneut eingeführt, und die Lehre wäre gar nicht mehr die behauptete Dreizahl.

„Der Sohn ist Gott“ bedeutet in diesem Zusammenhang: Der Sohn besitzt die ungeteilte göttliche Wirklichkeit, nicht lediglich einen Anteil daran. Es bedeutet nicht: Der Sohn ist Vater, Sohn und Geist zugleich. Die Unterscheidung zwischen Wesensaussage und personalem Bezug ist auch bei Thomas ausdrücklich Thema.[3]

3. Die Sprache darf dennoch nicht zur Ausflucht werden

Mit dem Hinweis auf verschiedene Aussagearten ist nicht jede metaphysische Frage erledigt. Wer „göttlich“ bloß wie „menschlich“ als gemeinsam besessene Art versteht, hätte weiterhin drei göttliche Exemplare. Deshalb gehört die zahlenmäßige Einheit der Gottheit unverzichtbar zur Erklärung.

Czepielik zeigt, wie das sogenannte neue Problem mit den schon bestehenden Lösungen des ursprünglichen Trinitätsproblems zusammenhängt. Die begrifflichen Anforderungen verschwinden dabei nicht; sie entstehen aber nicht erst durch das Wort „dreieinig“.[2]

4. Johannes liefert die notwendige Unterscheidung selbst

Der Logos ist bei Gott und ist Gott. Der Evangelist setzt damit personale Beziehung und volle Gottheit zusammen, ohne den Logos mit dem Vater gleichzusetzen. Das spätere Bekenntnis macht diese Verbindung ausdrücklich.

Die Folgerung „also ist der Sohn drei Personen“ entsteht erst, wenn aus der Gottheitsaussage eine vollständige Gleichsetzung der Person mit der ganzen Personenordnung gemacht wird. Diese Zusatzannahme muss begründet werden. Sie darf nicht zunächst in die Lehre hineingelesen und anschließend als deren Widerspruch ausgegeben werden.

Bibeltexte im Zusammenhang

Quellen und Vertiefung

  1. Justin Mooney, A New Logical Problem for the Doctrine of the TrinityReligious Studies 54/1 (2018), S. 1–13; Formulierung des Triunity Problem.
  2. Agnieszka Czepielik, No new problem for the Trinity: A reply to MooneyReligious Studies 62/1 (2026), S. 197–213; Zusammenhang mit dem ursprünglichen Identitätsproblem.
  3. Thomas von Aquin, Summa theologiaeI, q. 39, a. 4: Wie die Bezeichnung Gott in Aussagen für eine Person stehen kann.
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