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CHRISTOlogisch · Trinität · J04

Wenn Gott ungeteilt wirkt, warum wird nur der Sohn Mensch?

3 Minuten Lesezeit · Mit Bibeltexten und Quellen

Der Einwand

Wenn jedes göttliche Werk Vater, Sohn und Geist gemeinsam zukommt, müssten entweder alle drei Mensch werden oder die Menschwerdung dürfte kein göttliches Werk sein.

1. Der Einwand setzt Ursache und personalen Bezug gleich

„Wer bewirkt die Menschwerdung?“ und „Wer lebt als Mensch?“ sind nicht dieselbe Frage. Gottes ungeteiltes Wirken beantwortet die erste. Die Aussage „der Sohn wurde Fleisch“ beantwortet die zweite. Aus einer gemeinsamen Ursache folgt nicht, dass jede Person auch in derselben Weise das Ergebnis dieses Wirkens ist.

Thomas formuliert diese Unterscheidung ausdrücklich: Die göttliche Macht, durch welche die menschliche Natur angenommen wird, ist gemeinsam; die Vereinigung mit dieser menschlichen Natur besteht in der Person des Sohnes.[1]

2. Die biblischen Texte verbinden genau diese beiden Seiten

Lukas 1,35 beschreibt das Wirken des Heiligen Geistes und der Kraft des Höchsten bei Jesu menschlicher Empfängnis. Galater 4,4 sagt, Gott habe seinen Sohn gesandt, geboren von einer Frau. Johannes 1,14 nennt den Logos als den, der Fleisch wurde.

Die Texte sagen nicht, der Geist habe die Menschheit angenommen, weil er bei ihrer Entstehung wirkt. Ebenso wenig wird aus dem Sendenden der Gesandte. Das gemeinsame göttliche Handeln und die besondere Menschwerdung des Sohnes stehen bereits in der Darstellung des Neuen Testaments zusammen.

3. Ungeteiltes Wirken bedeutet keine Gleichförmigkeit der Beziehungen

Der Vater sendet den Sohn; der Sohn wird gesandt. Diese Aussagen beschreiben nicht zwei konkurrierende Schöpfungsmächte. Sie bezeichnen unterschiedliche personale Beziehungen innerhalb des einen göttlichen Handelns. Der Sohn ist dabei kein äußerer Empfänger eines fremden göttlichen Wesens.

Darum müssen auch zwei Arten von Gegenwart unterschieden werden. Vater und Sohn wohnen nach Johannes 14,23 bei Glaubenden. Daraus folgt nicht, dass jeder Glaubende eine Menschwerdung Gottes wäre. Gottes Gegenwart und Wirksamkeit sind nicht mit der einzigartigen personalen Vereinigung in Christus identisch.

4. Die Unterscheidung trägt bis zum Kreuz

Der Sohn leidet und stirbt seiner angenommenen menschlichen Natur nach. Der Vater ist nicht gekreuzigt worden. Zugleich ist das Heilsgeschehen nicht die Privataktion eines vom Vater abgetrennten Gottes. Der Vater sendet, der Sohn gibt sich hin, der Geist wirkt im göttlichen Heilswerk.

Der behauptete Widerspruch entsteht nur, wenn jedes von Gott bewirkte Ergebnis jeder göttlichen Person unterschiedslos zugeschrieben werden müsste. Diese Regel ist weder logisch selbstverständlich noch biblisch gelehrt. Sie würde die reale Unterscheidung von Vater, Sohn und Geist bereits voraussetzungsvoll beseitigen.

5. Wie gemeinsame Werke bestimmte Personen erkennen lassen

„Appropriation“ bedeutet: Eine allen drei Personen gemeinsame Eigenschaft wird zur Verdeutlichung besonders einer Person zugeordnet – etwa Macht dem Vater, Weisheit dem Sohn und Liebe dem Geist. Damit besitzt der Vater nicht weniger Weisheit und der Sohn nicht weniger Liebe. Thomas erklärt diese Zuordnungen als Hilfe, die Personen anhand bekannter göttlicher Vollkommenheiten zu verstehen.[2] Davon ist eine ausschließlich personale Aussage zu unterscheiden: Nur der Sohn ist Mensch geworden. Das ist keine bloße sprachliche Hervorhebung eines bei allen gleich vorhandenen Menschseins.

Aus einem Naturereignis lässt sich daher nicht ablesen, welche göttliche Person allein gehandelt hätte. Die gemeinsame Schöpfermacht beweist für sich keine Dreiheit.[3] Gottes Wort identifiziert die Personen innerhalb ihres ungeteilten Handelns: Der Vater sendet den Sohn; der Sohn wird Mensch; der Geist bezeugt und verherrlicht ihn. Offenbarung erschließt hier mehr als die bloße Beobachtung eines Effekts. Darum lässt gemeinsame Wirksamkeit die persönlichen Unterschiede nicht verschwinden.

Bibeltexte im Zusammenhang

Quellen und Vertiefung

  1. Thomas von Aquin, Summa theologiaeIII, q. 3, a. 4: Unterscheidung zwischen dem gemeinsamen Akt der Annahme und der Person, in der die Vereinigung besteht.
  2. Thomas von Aquin, Summa theologiaeI, q. 39, a. 7–8: Appropriation gemeinsamer Wesenseigenschaften an einzelne Personen.
  3. Thomas von Aquin, Summa theologiaeI, q. 32, a. 1: Die gemeinsame Schöpfermacht erlaubt für sich keine Ableitung der personalen Dreiheit.
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