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CHRISTOlogisch · Trinität · I07

Beweist gemeinsames Handeln ein gemeinsames Wesen?

3 Minuten Lesezeit · Mit Bibeltexten und Quellen

Der Einwand

Drei Menschen können dieselbe Absicht verfolgen und gemeinsam etwas tun. Warum sollen gemeinsame Werke des Vaters, Sohnes und Geistes beweisen, dass sie ein Gott sind?

1. Zusammenarbeit allein genügt tatsächlich nicht

Aus „A und B bauen dasselbe Haus“ folgt nicht „A und B sind dasselbe Wesen“. Eine trinitarische Argumentation, die nur gemeinsame Ziele feststellt, wäre unzureichend. Die biblische Begründung enthält jedoch eine zusätzliche, entscheidende Bestimmung: Bestimmte Werke kennzeichnen den einen Schöpfer gegenüber allem Geschaffenen.

Es geht daher nicht nur um das Ergebnis einer Zusammenarbeit. Es geht um den Ursprung der Macht, um den Umfang des Wirkens und um die Grenze zwischen Gott und Geschöpf.

Ebenso wenig ergibt die notwendige Untrennbarkeit zweier Dinge allein ihre Identität. Aus „Keines kann ohne das andere existieren“ folgt logisch nicht „Beide sind dasselbe“. Deshalb beweisen weder notwendige Kooperation noch notwendiges Beisammensein für sich die eine Gottheit. Die trinitarische Begründung verbindet den biblisch bezeugten einen Schöpfer mit der umfassenden Teilhabe des Sohnes und des Geistes an seinem eigenen Wirken; sie darf diesen Schriftbefund nicht durch den schwächeren Schluss aus bloßer Untrennbarkeit ersetzen.

2. Schöpfung ist im Text kein arbeitsteiliger Vorgang

Jesaja 44,24 beschreibt den HERRN als den, der alles schafft und Himmel und Erde allein ausbreitet. Johannes 1,3 sagt vom Logos, dass alles durch ihn geworden ist und nichts Gewordenes ohne ihn entstand. Der Logos wird nicht als erstes Teilprodukt in die Reihe der weiteren Produkte gestellt.[1]

Wenn wirklich alles Gewordene durch ihn wurde, kann sein eigenes Sein nicht zugleich ein durch ihn hervorgebrachtes Geschöpf sein. Der Text stellt ihn auf die Seite des schöpferischen Ursprungs. Ein Modell bloßer Zusammenarbeit dreier Geschöpfe beantwortet diese Aussage nicht.

3. Johannes 5 verbindet Wirken, Leben und Ehre

Der Sohn tut, was der Vater tut. Er macht lebendig, wen er will, und soll so geehrt werden wie der Vater. Diese Verbindung überschreitet die Aussage, zwei Beauftragte hätten zufällig denselben Plan.

Propheten können durch Gottes Macht Wunder tun. Daraus folgt nicht, dass ihnen uneingeschränkt dasselbe schöpferische Wirken, Lebensvollmacht und die dem Vater entsprechende Ehre zukommen. Der Unterschied liegt nicht darin, dass ein Wunder besonders beeindruckend wäre, sondern in der Art des Anspruchs, den der Text mit ihm verbindet.

4. Die Folgerung beruht auf mehreren Aussagen zusammen

Es gibt nur einen ungeschaffenen göttlichen Ursprung; der Sohn gehört nicht zur Schöpfung; Vater und Sohn bleiben persönlich unterschieden. Die Trinitätslehre verbindet diese Aussagen, statt die personale Unterscheidung oder die Gottheit des Sohnes zu opfern.

„Ungeteiltes Wirken“ beschreibt folglich keine Koalition. Die Personen tragen nicht je einen selbständigen Anteil zu einem größeren Werk bei. Thomas unterscheidet dennoch das gemeinsame göttliche Handeln von dem besonderen personalen Bezug seines Ergebnisses.[2] Deshalb kann derselbe Gott in der Heilsgeschichte geordnet wirken, ohne dass drei Götter miteinander kooperieren müssten.

Bibeltexte im Zusammenhang

Quellen und Vertiefung

  1. Robert L. Reymond, A New Systematic Theology of the Christian FaithZur Gottheit des Logos und zur umfassenden Aussage von Johannes 1,3, S. 299–305.
  2. Thomas von Aquin, Summa theologiaeIII, q. 3, a. 4: Gemeinsames göttliches Wirken und der personale Bezug seines Ergebnisses.
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