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CHRISTOlogisch · Trinität · J05

Hätte auch der Vater Mensch werden können?

3 Minuten Lesezeit · Mit Bibeltexten und Quellen

Der Einwand

Wenn nur der Sohn Mensch werden kann, besitzt er eine Fähigkeit, die dem Vater fehlt. Könnte dagegen auch der Vater Mensch werden, scheint die Sendung des Sohnes beliebig.

1. Nicht geschehen bedeutet nicht unfähig

Die Schrift berichtet, dass der Sohn Mensch wurde. Daraus folgt nicht ohne weitere Begründung, dem Vater oder Geist fehle göttliche Macht. Eine geschichtliche und personale Bestimmung darf nicht automatisch in eine Rangordnung der Fähigkeiten übersetzt werden.

Ebenso wenig folgt aus gemeinsamer Macht, dass alle Personen dieselbe personale Stellung einnehmen. Der Vater ist nicht der Sohn. Diese Unterscheidung ist kein Defekt, der durch zusätzliche Allmacht behoben werden müsste.

2. Thomas unterscheidet Möglichkeit und Angemessenheit

Thomas beantwortet die Frage nach einer möglichen Menschwerdung einer anderen Person bejahend, weil die göttliche Macht gemeinsam ist. Die menschliche Geburt würde den Vater in einem solchen Gedankenexperiment zum Sohn einer menschlichen Mutter machen, aber nicht zum ewigen Sohn des Vaters.[1]

Das ist ein metaphysisches Urteil innerhalb seines Modells, kein ausdrücklich offenbarter Bericht über eine andere Heilsgeschichte. Es zeigt jedoch: Die klassische Theologie muss keine besondere, dem Vater fehlende Schöpferkraft des Sohnes annehmen, um seine tatsächliche Menschwerdung zu bekennen.

3. Eine freie Handlung kann dennoch tief begründet sein

Die Alternative „notwendig oder beliebig“ ist falsch. Eine Handlung kann frei und zugleich ihrer Absicht vollkommen angemessen sein. Johannes verbindet den Logos, durch den alles geschaffen ist, mit dem Logos, der Fleisch wird. Kolosser 1 verbindet Schöpfung und Versöhnung in Christus.

Galater 4 führt von der Sendung des Sohnes zur Sohnschaft der Erlösten und zum Geist des Sohnes. Diese Zusammenhänge sind keine zufällige Ausschmückung. Der ewige Sohn bringt Menschen in die Gemeinschaft mit seinem Vater. Thomas entfaltet gerade solche Gründe der Angemessenheit, ohne daraus eine zusätzliche göttliche Fähigkeit abzuleiten.[1]

4. Die Gewissheit betrifft zuerst Gottes wirkliches Handeln

Wir müssen nicht jede denkbare alternative Welt vollständig beschreiben können, um zu wissen, wer für uns Mensch wurde. Die Offenbarung richtet unseren Blick auf den Sohn, den der Vater tatsächlich gesandt hat.

Der Einwand verfehlt deshalb sein Ziel in beiden Richtungen. Er beweist weder eine geringere Macht des Vaters noch die Bedeutungslosigkeit der Sohnschaft. Er verwechselt die gemeinsame göttliche Vollkommenheit mit der personalen Gestalt des Heils. Gemeinsame Macht lässt unterschiedliche personale Beziehungen zu; die geoffenbarte Sendung bestimmt, welche Beziehung sich in der Menschwerdung zeigt.

5. Was macht den Vater gerade zum Vater?

Die Personen werden nicht durch verschiedene Körper, verschiedene Grade von Gottheit oder willkürliche Namen unterschieden. Die klassische Erklärung nennt ihre Ursprungsbeziehungen: Der Vater ist Vater des Sohnes; der Sohn ist vom Vater; der Geist geht hervor. Diese Beziehungen sind keine austauschbaren Etiketten auf drei vorher gleichartigen göttlichen Einzelwesen.[2]

Darum darf man eine andere mögliche Aufgabe gegenüber der Welt nicht mit einer Vertauschung der ewigen Identität verwechseln. Selbst wenn man mit Thomas eine Menschwerdung des Vaters für möglich hält, würde der Vater dadurch nicht der ewige Sohn des Vaters. Die angenommene menschliche Natur bezeichnet, was eine Person zusätzlich annimmt; ihre ewige Beziehung bezeichnet, wer diese Person ist. Die Frage nach möglichen Sendungen ersetzt also nicht die Frage nach personaler Identität.

Bibeltexte im Zusammenhang

Quellen und Vertiefung

  1. Thomas von Aquin, Summa theologiaeIII, q. 3, a. 5 und a. 8: Möglichkeit der Annahme menschlicher Natur und besondere Angemessenheit der Menschwerdung des Sohnes.
  2. Thomas von Aquin, Summa theologiaeI, q. 40, a. 2: Die personalen Ursprungsbeziehungen unterscheiden die Personen.
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