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CHRISTOlogisch · Trinität · D10

„Niemand ist gut als Gott allein“ – weist Jesus seine Gottheit zurück?

2 Minuten Lesezeit · Mit Bibeltexten und Quellen

Der Einwand

In Markus 10,18 fragt Jesus, warum man ihn gut nenne, und erklärt, allein Gott sei gut. Sagt er damit nicht ausdrücklich, dass er selbst nicht Gott ist?

1. Eine Frage ist noch keine Verneinung

Jesus sagt nicht: „Ich bin nicht gut.“ Er fragt: „Warum nennst du mich gut?“ Anschließend nennt er Gott als den Maßstab vollkommener Güte. Um daraus einen Ausschluss seiner Gottheit zu gewinnen, muss der Leser die nicht ausgesprochene Prämisse ergänzen, Jesus gehöre sicher nicht zu diesem göttlichen Guten.

Genau die Identität Jesu steht aber zur Debatte. Man kann sie nicht voraussetzen, um sie anschließend aus der Frage abzuleiten.

2. Jesus prüft den Begriff von Güte

Der Mann behandelt Jesus als guten Lehrer und fragt nach einer Leistung, durch die er ewiges Leben erlangen könne. Das Gespräch führt zu den Geboten und schließlich zur Bindung an seinen Besitz. Seine selbstverständliche Einschätzung eigener Gesetzestreue wird dabei erschüttert.

Gott allein ist der ursprüngliche und vollkommene Maßstab der Güte. Menschliches Lob und eine günstige Selbsteinschätzung können diesen Maßstab nicht ersetzen. Jesu Frage fordert den Mann auf, die Tragweite seiner Anrede und seines Gottesverhältnisses zu bedenken.[1][2]

3. Jesus führt den Mann zur Entscheidung über sich selbst

Der Abschnitt endet nicht bei einer allgemeinen Empfehlung, Gott moralisch ernster zu nehmen. Jesus fordert den Mann auf, ihm zu folgen. Die Bindung an seine Person steht im Zentrum der Antwort. Auch dies ist nicht für sich allein ein vollständiger Gottesbeweis; es passt aber schlecht zu der Annahme, Jesus wolle lediglich seine Bedeutung zurücknehmen.

Der übrige Markusbericht schildert zudem Jesu Vollmacht zur Sündenvergebung und fragt ausdrücklich nach ihrer göttlichen Reichweite. Markus 10 sollte nicht durch eine ergänzte Verneinung gegen diesen Zusammenhang gestellt werden.

4. Der Text lehrt keine Rettung durch moralische Perfektion

Im Fortgang erschrecken die Jünger und fragen, wer gerettet werden könne. Jesus verweist auf Gottes Möglichkeit, wo Menschen nicht können. Das Gespräch entlarvt somit menschliche Selbstgenügsamkeit; es erklärt weder Vermögensverzicht noch ein theologisches Examen zum Kaufpreis ewigen Lebens.

Der präzise Schluss lautet: Jesus bestreitet den leichtfertigen Umgang mit „gut“, nicht ausdrücklich seine eigene Güte oder Gottheit. Wer ihn als den guten Hirten und sündlosen Sohn erkennt, widerspricht diesem Satz nicht. Er nimmt die Frage nach seiner Identität vielmehr in der Tiefe auf, die sie verlangt.

Bibeltexte im Zusammenhang

Quellen und Vertiefung

  1. NET Bible, Markus 10,17–22Anmerkungen zur Frage nach Jesu Identität und zum Zusammenhang des reichen Mannes.
  2. Robert L. Reymond, A New Systematic Theology of the Christian FaithGottes Güte, S. 200–201: Markus 10,18 im biblischen Zeugnis über Gottes Güte.
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