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CHRISTOlogisch · Trinität · B04

Ein Gott und ein menschlicher Mittler

3 Minuten Lesezeit · Mit Bibeltexten und Quellen

Der Einwand

Paulus unterscheidet den einen Gott vom Menschen Christus Jesus, dem Mittler. Steht Jesus damit nicht ausdrücklich auf der menschlichen Seite und außerhalb der Gottheit?

1. Der Zusammenhang erklärt die Betonung

In 1. Timotheus 2 fordert Paulus zum Gebet für alle Menschen auf. Seine Begründung führt vom universalen Heilswillen Gottes über den einen Gott und den einen Mittler zum Lösegeld für alle. Es gibt nicht für jedes Volk einen anderen Gott und einen eigenen Heilsweg. Der eine Christus verbindet die Menschheit mit Gott.

Dass Paulus dabei „Mensch“ sagt, gehört unmittelbar zur Argumentation: Christus gehört wirklich zu denen, für die er sich hingibt. Seine Menschheit ist kein Kostüm und sein stellvertretendes Handeln keine bloße Fernwirkung.

2. „Mensch“ bedeutet nicht „ausschließlich Mensch“

Der Einwand benötigt einen zusätzlichen Satz: Wer Mensch ist, kann nicht zugleich göttliche Natur besitzen. Diesen Satz formuliert Paulus hier nicht. Johannes 1,14 beschreibt gerade, dass der zuvor als Gott bezeichnete Logos Fleisch wurde. Die Menschwerdung hebt weder seine vorherige Identität auf noch verwandelt sie sein Menschsein in einen Schein.

Die Aussage über die Menschheit Jesu darf deshalb nicht gegen die Aussagen über seine Gottheit ausgespielt werden. Umgekehrt darf seine Gottheit nicht dazu dienen, die hier betonte wirkliche menschliche Stellvertretung zu umgehen.

3. Das Mittleramt bezeichnet eine Beziehung

Ein Mittler handelt für Menschen vor Gott. Daraus folgt eine reale Unterscheidung, aber nicht automatisch eine fremde göttliche Natur. Der Sohn ist nicht der Vater, zu dem er uns führt. Als Mensch vertritt er uns vor ihm. Thomas unterscheidet deshalb die göttliche Person Christi von der menschlichen Natur, nach der er dieses Mittleramt ausübt.[1]

Es handelt nicht eine abstrakte „Natur“ neben Jesus. Der Sohn selbst gibt sich als Mensch hin. Hebräer 2,14–18 verbindet seine Teilnahme an Fleisch und Blut entsprechend mit seinem priesterlichen Handeln.

4. Gerade der Zusammenhang verhindert eine falsche Alternative

Paulus sagt nicht: Entweder ist Jesus Gott oder er kann für Menschen eintreten. Er verkündet den einen Mittler, der sich selbst als Lösegeld gab. Die trinitarische Christologie erklärt, warum dieser Mittler uns wirklich angehört und uns zugleich Gott selbst erschließt.

Ein Titel wie „Messias“ oder „Sohn Gottes“ muss ebenfalls im jeweiligen Zusammenhang gelesen werden. Nicht jeder Gebrauch beweist für sich volle Gottheit. Ebenso wenig kann ein Titel, der Jesu Sendung oder Menschheit beschreibt, die anderweitig bezeugte Gottheit widerlegen.

Johannes 5 zeigt, wie diese Kontextprüfung aussieht: Jesu Sohnschaft wird mit dem Handeln des Vaters, dem Geben von Leben und derselben Ehre verbunden, die dem Vater zukommt. Der Schluss lautet daher nicht: Jeder „Sohn Gottes“ ist Gott. Er lautet: Was Johannes von diesem Sohn aussagt, übersteigt eine bloße Beauftragung. Ein gemeinsamer Titel macht seine verschiedenen Träger nicht in jeder Hinsicht gleich.[2]

Bibeltexte im Zusammenhang

Quellen und Vertiefung

  1. Thomas von Aquin, Summa theologiaeIII, q. 26, a. 2: Christus ist Mittler seiner Menschheit nach; Person und Mittleramt unterscheiden.
  2. Johannes 5,17–23Jesu Sohnschaft wird durch das gemeinsame göttliche Wirken und die gleiche Ehre bestimmt.
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