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CHRISTOlogisch · Trinität · H05

Warum sollen Konzilien Autorität besitzen?

2 Minuten Lesezeit · Mit Bibeltexten und Quellen

Der Einwand

Wer allein die Schrift als unfehlbare Norm anerkennt, kann Nicäa nicht als letzte Autorität anführen. Warum sollte ein Christ einer Abstimmung von Bischöfen folgen?

1. Eine Abstimmung macht keinen Satz wahr

Die Gottheit Jesu wäre nicht falsch geworden, wenn eine Mehrheit anders entschieden hätte. Gottes Wesen hängt weder an kaiserlicher Zustimmung noch an kirchlicher Stimmenzahl. Für eine schriftgebundene Theologie besitzt das Konzil deshalb keine von Gottes Wort unabhängige Letztautorität.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die gemeinschaftliche Lehrarbeit der Kirche wertlos wäre. Zwischen „unfehlbare Quelle“ und „beliebige Meinung“ liegt die verantwortliche, am Text prüfbare Zusammenfassung des Glaubens.

2. Das Bekenntnis legt eine Auslegung offen

Nicäa sagt etwa, der Sohn sei gezeugt und nicht geschaffen. Damit wird nicht einfach ein neues Wort neben die Bibel gestellt. Eine umstrittene Lesart wird ausgeschlossen: Der Sohn soll nicht zur Klasse der gewordenen Dinge gehören.[1]

Die entscheidende Rückfrage führt deshalb zu Johannes 1,3, den Schöpfungsaussagen und der Verehrung des Sohnes. Trägt die Schrift diesen Ausschluss? Wenn ja, ist das Bekenntnis in dieser Hinsicht wahr, weil es die Schrift treffend zusammenfasst. Es macht die Schrift nicht erst durch seine Entscheidung trinitarisch.

3. „Nur Bibelwörter“ verhindert den Streit nicht

Zwei Parteien können denselben Vers zitieren und verschiedene Dinge damit behaupten. Dann ist eine Erklärung nötig, welche Bedeutung gemeint ist. Wer jedes zusätzliche Wort verbietet, beendet nicht die Auslegung; er macht sie lediglich unsichtbar.

Titus 1,9 verlangt, mit gesunder Lehre zu ermahnen und Widersprechende zu überführen. Dazu gehört, die sachlichen Konsequenzen einer Lesart zu zeigen. Präzise Formulierungen sind Werkzeuge dieser Aufgabe, solange sie sich der Schrift unterordnen.

4. Prüfung ist keine voraussetzungslose Abstimmung über Gott

Die Bereaner prüften die Verkündigung anhand der Schrift. Sie beriefen sich damit auf Gottes schon anerkanntes Wort, nicht auf ein von ihm unabhängiges Gericht. Entsprechend prüfen wir kirchliche Formeln an der Offenbarung. Thomas unterscheidet ebenfalls die Autorität der offenbarten Wahrheit von den Grenzen menschlicher Demonstrationen.[2]

Wir können daher ein Konzil in seinem trinitarischen Bekenntnis bejahen, ohne jede seiner kirchenpolitischen Entscheidungen oder jede spätere Auslegung zu übernehmen. Die richtige Reihenfolge bleibt: Gott spricht; die Kirche hört, erklärt und bekennt. Ihre Autorität ist dienend und abgeleitet.

Bibeltexte im Zusammenhang

Quellen und Vertiefung

  1. Konzil von Nicäa 325, BekenntnisDer Sohn wird als gezeugt, nicht geschaffen und wesensgleich mit dem Vater bekannt.
  2. Thomas von Aquin, Summa theologiaeI, q. 32, a. 1: Die Offenbarung ist Grund der Erkenntnis der göttlichen Personen.
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