Der Einwand
Vater, Sohn und Geist könnten drei getrennte Wesen sein, die vollkommen übereinstimmen. Jesus bittet schließlich auch darum, dass seine Jünger eins seien wie er und der Vater.
1. Diese Position behauptet eine andere Art von Einheit
Die offizielle LDS-Darstellung bezeichnet Vater, Sohn und Geist als getrennte Wesen und erklärt ihre Einheit durch vollkommene Übereinstimmung in Absicht und Lehre.[1] Damit ist die Differenz zum klassischen Bekenntnis genau benannt. Es geht nicht darum, ob sie einander lieben, sondern ob ihre Gottheit zahlenmäßig ungeteilt ist.
Drei vollkommen einmütige Menschen bilden keine einzige menschliche Wirklichkeit. Darum kann Einigkeit allein die Aussage von einem Gott nicht tragen. Weitere Gründe wären nötig.
2. Johannes 17 macht die Jünger nicht zu göttlichen Personen
Jesu Bitte enthält einen Vergleich: Die Gemeinschaft der Jünger soll der Gemeinschaft von Vater und Sohn entsprechen. Ein Vergleich überträgt jedoch nicht sämtliche Eigenschaften seines Vorbilds. Andernfalls würden die Jünger nicht nur einmütig, sondern ungeschaffen und allwissend.
Die Einheit der Glaubenden ist empfangen und geschöpflich. Die Einheit von Vater und Sohn ist ihr Grund und Vorbild. Dass die Nachbildung begrenzt ist, beweist nicht, dass auch das Vorbild nur geschöpfliche Einigkeit besitzt. Diese Begrenzung müsste aus weiteren Texten begründet werden.
3. Die Schöpfungsaussagen verlangen mehr als Zusammenarbeit
Jesaja 44 verbindet Gottes Einzigkeit mit seinem alleinigen Schöpfersein. Johannes 1 stellt alles Gewordene dem Logos gegenüber, durch den es wurde. Die Aussage über den Logos sprengt deshalb die Vorstellung eines weiteren geschaffenen Mitarbeiters.[2]
1. Korinther 8,6 ordnet Vater und Jesus Christus gemeinsam dem Ursprung aller Dinge zu, während Paulus viele sogenannte Götter und Herren abweist. Die christliche Antwort bewahrt den einen göttlichen Ursprung und die personale Unterscheidung. Sie erklärt den Monotheismus nicht zu bloßer Loyalität gegenüber einer besonders harmonischen Göttergruppe.
4. Der Unterschied betrifft auch die Grundlage der Auslegung
Wo spätere Offenbarungsansprüche das Verständnis der biblischen Texte bestimmen, reicht eine gemeinsame Verwendung des Wortes „Bibel“ nicht aus. Im Gespräch muss deshalb geklärt werden, welche Autorität die Bedeutung der Texte letztlich festlegt.
Wir gehen von der Selbstoffenbarung Gottes in der Schrift aus. Ihr Zeugnis verlangt volle Gottheit des Sohnes ohne einen zweiten göttlichen Ursprung neben dem einen Gott. Vollkommene Einigkeit gehört dazu; sie ist aber keine ausreichende Ersatzdefinition für die ungeteilte Gottheit, von der das trinitarische Bekenntnis spricht.
Bibeltexte im Zusammenhang
Quellen und Vertiefung
- Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, GodheadOffizielle Darstellung: drei getrennte Wesen, verbunden in Absicht und Lehre.
- Robert L. Reymond, A New Systematic Theology of the Christian FaithJohannes 1,1–3: der Logos und die Grenze zwischen Schöpfer und Geschöpf, S. 299–305.