Der Einwand
Jesus sagt: Wer mich sieht, sieht den Vater. In ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit, und die Apostel taufen auf seinen Namen. Spricht das nicht für einen Gott mit verschiedenen Offenbarungsweisen?
1. Der Streit betrifft nicht einfach Jesu Gottheit
Die Oneness-Lehre, etwa in der Selbstdarstellung der UPCI, bekennt Jesus als Gott im Fleisch.[1] Sie darf deshalb nicht so behandelt werden, als mache sie ihn nur zu einem gewöhnlichen Menschen. Der entscheidende Unterschied betrifft das Verhältnis des Sohnes zum Vater und zum Geist.
Wir müssen zeigen, dass die Schrift volle Gottheit und reale personale Unterscheidung miteinander verbindet. Ein Argument allein für Jesu Gottheit beantwortet diese besondere Frage noch nicht.
2. Johannes 14 erklärt das Sehen durch Offenbarung und Gemeinschaft
Auf Jesu Aussage folgt die Erklärung, dass er im Vater und der Vater in ihm ist. Wenige Verse später sagt er, er werde den Vater bitten, und dieser werde einen anderen Beistand geben. Der unmittelbare Zusammenhang unterscheidet also den Bittenden, den Gebenden und den gegebenen Beistand.
Vollkommene Offenbarung bedeutet hier nicht, dass Offenbarer und Offenbarter dieselbe Person sind. Gerade weil der Sohn den Vater vollkommen erkennen lässt, wird der Vater durch ihn erkannt. Würde „sehen“ personale Identität bedeuten, müsste der Kontext seine eigenen Unterscheidungen gleich wieder aufheben.
3. Die Fülle der Gottheit ist keine Aufzählung der Personen
Kolosser 2,9 sagt, dass in Christus die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt. Der Text widerspricht einer nur teilweisen oder vermittelten Gottheit Christi.[2] Er sagt nicht, der Sohn sei als Person zugleich der Vater und der Geist.
Ebenso macht das Wirken des Geistes bei Jesu Empfängnis den Geist nicht zum biologischen Vater Jesu. Lukas 1,35 beschreibt Gottes schöpferisches Wirken, keine geschlechtliche Zeugung. Wer aus der Ursache der Empfängnis eine innergöttliche Personenidentität ableitet, verwechselt zwei unterschiedliche Aussagen.
4. Der Name Jesu hebt die trinitarische Taufaussage nicht auf
Die Apostelgeschichte kennzeichnet die Taufe als Zugehörigkeit zu dem gekreuzigten und auferstandenen Jesus. Ihre Formulierungen müssen nicht als vollständige Wiedergabe jedes gesprochenen Taufwortes gelesen werden. Matthäus 28,19 nennt ausdrücklich Vater, Sohn und Geist.
Der gemeinsame Name ist kein Beweis, dass die drei Bezeichnungen dieselbe Person meinen. Sonst müsste dies erst gegen die persönlichen Beziehungen im selben Evangelienzeugnis begründet werden. Die stärkere Gesamterklärung bewahrt beides: die volle Gottheit Jesu und den Vater, zu dem er spricht, den er offenbart und von dem er gesandt ist.
Bibeltexte im Zusammenhang
Quellen und Vertiefung
- United Pentecostal Church International, Our BeliefsEigene Darstellung: Jesus ist Gott im Fleisch; Vater, Sohn und Geist werden im Rahmen der Oneness-Lehre erklärt.
- Robert L. Reymond, A New Systematic Theology of the Christian FaithZur Fülle der Gottheit in Christus, S. 252–253.