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CHRISTOlogisch · Trinität · C06

„Gott und Retter“ – eine Person oder zwei?

2 Minuten Lesezeit · Mit Bibeltexten und Quellen

Der Einwand

Wenn eine Übersetzung von „Gott und unserem Retter Jesus Christus“ spricht, könnten Gott der Vater und Jesus zwei verschiedene Personen sein. Entscheidet hier nicht bloß die theologische Vorliebe des Übersetzers?

1. Das „und“ entscheidet die Frage nicht allein

„Mein Freund und Arzt“ kann einen Menschen mit zwei Bezeichnungen meinen; „mein Freund und mein Arzt“ kann zwei Menschen bezeichnen. Auch im Griechischen muss man die gesamte Konstruktion lesen. In Titus 2,13 stehen „Gott“ und „Retter“ als persönliche Titel im Singular unter einem gemeinsamen Artikel. Der anschließende Name benennt Jesus Christus.[1]

Die sogenannte Granville-Sharp-Regel beschreibt solche Verbindungen. Sie ist keine Behauptung, dass jedes „und“ zwei Ausdrücke gleichsetzt. Ihre Bedingungen betreffen gerade persönliche, nicht als Eigennamen gebrauchte Singularbezeichnungen. Ein beliebiger Satz mit zwei Namen widerlegt sie deshalb nicht.

2. Die Hoffnung gilt der Erscheinung Christi

Titus 2,13 blickt auf die Erscheinung der Herrlichkeit dessen, den der Text bezeichnet. Vers 14 setzt mit dem fort, der sich für uns hingegeben hat. Die Verbindung von künftigem Erscheinen und geschehener Selbsthingabe hat einen erkennbaren Bezug: Jesus Christus. Die syntaktisch naheliegende Lesart passt damit zum Gedankengang des Abschnitts.[3]

Der Brief unterscheidet andernorts Vater und Sohn. Daraus folgt nicht, dass jede Gottesbezeichnung ausschließlich den Vater meinen muss. Eine solche Vorentscheidung würde genau die Aussage ausschließen, deren Grammatik gerade geprüft werden soll.

3. Petrus bietet einen Vergleich im selben Brief

In 2. Petrus 1,1 begegnet die entsprechende Verbindung „unser Gott und Retter Jesus Christus“. Besonders aufschlussreich sind 1,11 und 2,20: Dort werden „Herr“ und „Retter“ in vergleichbarer Weise auf Jesus bezogen. Es wäre erklärungsbedürftig, dieselbe enge Verbindung ausgerechnet bei „Gott und Retter“ ohne sprachlichen Anlass auseinanderzureißen.[2]

Vers 2 nennt Gott und Jesus dagegen in einer anderen Konstruktion. Die personale Unterscheidung wird damit nicht geleugnet. Unterschiedliche Satzformen müssen gerade unterschiedlich ausgewertet werden.

4. Grammatik trägt eine bestimmte, begrenzte Aussage

Diese Texte nennen Jesus Gott. Sie entfalten nicht allein die gesamte Trinitätslehre und sagen nicht, Jesus sei der Vater. Die Aussage bleibt dennoch gewichtig: Der erwartete Retter gehört nicht lediglich einer niedrigeren Klasse göttlicher Helfer an.

Wir begründen diese Lesart nicht damit, dass sie gut zur Lehre passt. Sie erklärt die Verbindung der Titel, den Gebrauch im jeweiligen Brief und den Fortgang der Aussage. Die Lehre nimmt diesen Befund auf.

Bibeltexte im Zusammenhang

Quellen und Vertiefung

  1. NET Bible, Titus 2,13Grammatische Anmerkung zur Verbindung persönlicher Titel unter einem Artikel.
  2. NET Bible, 2. Petrus 1,1Vergleich mit den entsprechenden Formulierungen in 1,11 und 2,20.
  3. Robert L. Reymond, A New Systematic Theology of the Christian FaithTitus 2,13, S. 248–250: Syntax und Erscheinung Christi.
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