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CHRISTOlogisch · Trinität · C08

Philipper 2: Gibt Jesus seine Gottheit auf?

2 Minuten Lesezeit · Mit Bibeltexten und Quellen

Der Einwand

Christus greift nach Philipper 2 nicht nach Gottgleichheit. Vielleicht ist er nur der gehorsame Gegenpol zu Adam. Oder er legt seine Gottheit ab und erhält erst nach seinem Tod eine göttliche Stellung.

1. Die Ermahnung lebt von freiwilliger Erniedrigung

Paulus fordert, den Vorteil des anderen zu suchen. Dazu stellt er Christus vor Augen, der in Gottesgestalt war und den Weg bis zum Kreuz ging. Die Bewegung ist nicht die Karriere eines Menschen, der schließlich Gott wird. Sie ist die Selbsthingabe dessen, der höchste Würde besitzt und sie nicht eigennützig verwendet.

„Gestalt“ sollte dabei weder als bloßes Kostüm noch als automatische Übersetzung eines späteren metaphysischen Fachbegriffs behandelt werden. Der Parallelismus zur Knechtsgestalt zeigt jedenfalls: Paulus spricht von wirklichen Seins- und Lebensverhältnissen.[1]

2. Die Entäußerung wird durch Annahme erläutert

Der Text sagt, Christus entäußerte sich, indem er Knechtsgestalt annahm und Mensch wurde. Er nennt keinen göttlichen Wesensbestandteil, den Christus abgelegt hätte. Die anschließende Erniedrigung besteht im Gehorsam bis zum Tod. Das ist eine Aussage über die Weise seines Weges, keine Beschreibung einer Umwandlung Gottes in ein Geschöpf.[2]

Der umstrittene Ausdruck harpagmos lässt verschiedene Deutungen zu. Die Lesart, Christus nutze die Gottgleichheit nicht zu seinem eigenen Vorteil, erklärt den ethischen Zusammenhang gut. Der ganze Schluss hängt aber nicht an einer isolierten Wörterbuchglosse.

3. Der Adamvergleich erklärt nicht alles

Adam wollte eine Stellung ergreifen, die ihm nicht zustand. Christus handelt gehorsam. Dieser Gegensatz kann den Abschnitt erhellen. Daraus folgt jedoch nicht, dass beide dieselbe Ausgangsstellung besitzen. Paulus sagt von Christus Gottesgestalt und beschreibt die Annahme der menschlichen Knechtsgestalt. „Ebenbild Gottes“ in der Schöpfungserzählung darf nicht ohne Begründung an die Stelle dieser Formulierungen gesetzt werden.[1]

Ein moralischer Gegensatz zwischen Adam und Christus ersetzt deshalb keine Erklärung der Aussagen über Christi Identität.

4. Die Erhöhung macht den Menschgewordenen öffentlich zum Herrn

Die Erhöhung antwortet auf den Gehorsam des gekreuzigten Christus. Dass er als Messias Herrschaft empfängt, bedeutet nicht, dass sein göttliches Wesen vorher fehlte. Der Schlusspunkt reicht zudem über gewöhnliche Königsherrschaft hinaus: Die universale Kniebeuge und das Bekenntnis greifen Jesaja 45 auf, wo JHWH seine einzigartige Herrschaft erklärt.

Dieses Bekenntnis zu Jesus geschieht zur Ehre des Vaters. Paulus stellt keinen neuen Gott neben ihn. Er verbindet Christi Erniedrigung und universale Verehrung innerhalb des Handelns des einen Gottes.

Bibeltexte im Zusammenhang

Quellen und Vertiefung

  1. Robert L. Reymond, A New Systematic Theology of the Christian FaithPhilipper 2,6–11, S. 258–263: Gottesgestalt, Adamvergleich und diskutierte Gesamtdeutungen.
  2. NET Bible, Philipper 2,5–11Text und Übersetzungsanmerkungen zum Zusammenhang von Gottesgestalt und Knechtsgestalt.
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