Der Einwand
Der Vater gibt dem Sohn Leben, und Apostelgeschichte 2,36 sagt, Gott habe Jesus zum Herrn und Christus gemacht. Was verliehen werden muss, war offenbar vorher nicht vorhanden. Wie kann Jesus dann ewig Gott sein?
1. Einsetzung in ein Amt ist nicht Erschaffung einer Natur
Wenn Petrus sagt, Gott habe Jesus zum Herrn und Christus gemacht, erklärt er unmittelbar zuvor dessen Auferstehung, Erhöhung und Ausgießung des Geistes. Das Verb „machen“ wird durch seine Ergänzungen bestimmt. Es bedeutet hier nicht, einen zuvor nicht existierenden Jesus herzustellen, sondern den Gekreuzigten in seiner messianischen Herrschaft einzusetzen und zu erweisen.
Schon vor Ostern handelt Jesus als der Messias. Die Aussage beschreibt also eine neue heilsgeschichtliche Stellung, nicht die erstmalige Entstehung seiner gesamten Identität.[1]
2. Gerade Pfingsten zeigt die Reichweite seiner Herrschaft
Petrus zitiert Gottes Verheißung, seinen Geist auszugießen, und erklärt dann, der erhöhte Jesus habe dies ausgegossen. Der Zusammenhang führt nicht von Gott weg zu einem bloßen Helfer. Er zeigt, wie Gottes verheißenes Handeln durch den erhöhten Sohn vollzogen wird.[1]
Auch Römer 1,3–4 spricht bereits von Gottes Sohn, bevor es seine Auferstehung und machtvolle Stellung beschreibt. Er wird nicht erst durch die Auferstehung zu einem vorher unbekannten göttlichen Wesen.
3. „Leben in sich selbst“ ist mehr als empfangenes Geschöpfleben
Johannes 5,26 sagt, wie der Vater Leben in sich selbst hat, so habe er dem Sohn gegeben, Leben in sich selbst zu haben. Der Vergleich bezeichnet keine bloß geliehene Lebensenergie. Im Zusammenhang macht der Sohn lebendig und ruft die Toten heraus. Er besitzt die Macht, Leben zu geben.
Klassisch wird dieser Vers auf die ewige Mitteilung der göttlichen Natur bezogen. Andere trinitarische Ausleger betonen die Ausstattung des menschgewordenen Messias für sein lebensspendendes Amt. Reymond diskutiert diese unterschiedliche Einordnung.[1]
4. Keine der beiden Lesarten bedeutet „erschaffen“
Bei der ewigen Lesart ist das Geben kein zeitlicher Übergang vom Nichtsein zum Sein. Bei der messianischen Lesart empfängt der bereits existierende Sohn eine Stellung in seinem Auftrag. In beiden Fällen muss zwischen personaler Beziehung und Entstehung einer geschaffenen Natur unterschieden werden.
Johannes 17,5 bezeugt ausdrücklich Christi Herrlichkeit vor der Welt. Wer aus jeder Empfangssprache einen Beginn seiner Existenz macht, übergeht diese Aussage. Der Sohn empfängt als Sohn und als gesandter Messias; er wird dadurch nicht vom Geschöpf zum Gott befördert.
Bibeltexte im Zusammenhang
Quellen und Vertiefung
- Robert L. Reymond, A New Systematic Theology of the Christian FaithApostelgeschichte 2 und Pfingsten, S. 286–288; Johannes 5,26 im Streit über ewige Zeugung.