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CHRISTOlogisch · Trinität · F05

Wenn Gottesworte auf Jesus bezogen werden

2 Minuten Lesezeit · Mit Bibeltexten und Quellen

Der Einwand

Ein Wort über JHWH kann auch durch einen Beauftragten erfüllt werden. Wenn das Neue Testament solche Texte auf Jesus anwendet, könnte es daher nur sagen, dass Gott durch ihn handelt.

1. Nicht jede Erfüllung behauptet dieselbe Art von Identität

Gott kann durch einen Propheten sprechen und durch einen König retten. Daraus folgt nicht automatisch, dass der Prophet oder König Gott ist. Deshalb muss für jedes Zitat gefragt werden, welche Aussage übertragen wird: ein Auftrag, ein geschichtliches Handeln oder eine Bestimmung, die Gott als Gott auszeichnet.

Der Einwand gegen einen pauschalen Übertragungsbeweis beseitigt nicht die spezifische Aussagekraft besonders gewichtiger Texte.

2. Römer 10 führt den Anrufenden zu Jesus

Paulus verbindet das Bekenntnis zu Jesus als Herrn mit der Rettung und spricht dann vom selben Herrn über Juden und Griechen, der reich ist für alle, die ihn anrufen. Die Begründung aus Joel erklärt, dass jeder, der den Namen des Herrn anruft, gerettet wird. Im ursprünglichen Text ist JHWH gemeint.

Die enge Folge des Arguments spricht dafür, dass Paulus diesen rettenden Anruf auf Jesus bezieht. Es geht nicht bloß darum, dass Jesus einen Auftrag ausführt. Sein Name steht im unmittelbaren Bezug des rettenden Glaubens und Anrufens.[1]

3. Philipper 2 überträgt die universale Huldigung

Jesaja 45 schließt andere Götter aus und lässt jedes Knie vor JHWH beugen. Philipper 2 nimmt dieses Bild auf und richtet das universale Bekenntnis auf Jesus als Herrn. Zugleich geschieht es zur Ehre des Vaters.

Wäre Jesus nur ein fremdes Geschöpf, müsste erklärt werden, weshalb gerade die auf Gottes Einzigkeit zielende Huldigung ihm gilt. Die trinitarische Lesart erklärt, warum seine Verehrung Gottes Ehre nicht aufteilt: Der Sohn gehört zur Identität des einen Gottes, dessen Herrlichkeit er mit dem Vater teilt.

4. Hebräer 1 überträgt Schöpfung und Beständigkeit

Psalm 102 unterscheidet den bleibenden Schöpfer von seiner vergänglichen Welt. Hebräer 1,10–12 spricht den Sohn mit eben diesen Bestimmungen an. Ein bloßer Auftrag erklärt nicht, weshalb ihm das Gründen von Himmel und Erde sowie die gegenüber ihrer Vergänglichkeit bleibende Existenz zugesprochen werden.[1]

Der Schluss beruht also auf dem Inhalt der übertragenen Aussagen, nicht auf einem mechanischen Gleichsetzen aller Zitate. Rettender Anruf, universale Verehrung und unvergängliche Schöpferherrschaft bilden einen zusammenhängenden Befund. Die pauschale Kategorie „Stellvertretung“ benennt eine Möglichkeit; sie erklärt diesen Befund noch nicht.

Bibeltexte im Zusammenhang

Quellen und Vertiefung

  1. Robert L. Reymond, A New Systematic Theology of the Christian FaithAlttestamentliche Gottesprädikate in der neutestamentlichen Christologie.
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