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CHRISTOlogisch · Trinität · C04

Psalm 82: Ist Jesus nur ein „Gott“ wie andere?

3 Minuten Lesezeit · Mit Bibeltexten und Quellen

Der Einwand

Jesus verteidigt sich mit dem Satz „Ihr seid Götter“ aus Psalm 82. Wenn schon Richter oder himmlische Wesen so heißen, könnte auch Jesus lediglich ein Beauftragter Gottes sein.

1. Jesus prüft zunächst den Maßstab seiner Ankläger

Seine Gegner werfen Jesus vor, sich als Mensch zu Gott zu machen. Er antwortet mit ihrer anerkannten Schrift: Sie verwendet die Bezeichnung „Götter“ für andere als den höchsten Gott. Damit ist die pauschale Regel widerlegt, jede solche Bezeichnung sei bereits als Wortgebrauch Gotteslästerung. Jesus zwingt seine Gegner, seinen Anspruch anhand seines tatsächlichen Inhalts zu beurteilen.

Dieser erste Schritt ist noch keine vollständige Erklärung seiner Identität. Eine Widerlegung des Anklagemaßstabes darf nicht mit einer Rücknahme des angeklagten Anspruchs verwechselt werden.

2. Der Vergleich setzt keine Gleichheit voraus

Jesus spricht von denen, an die Gottes Wort erging, und dann von dem, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat. Seine Argumentation geht vom geringeren zum besonderen Fall: Wenn die Schrift bereits dort diese Sprache erlaubt, kann seine Selbstbezeichnung als Sohn Gottes nicht allein wegen des Wortes verurteilt werden.[1]

Ob Psalm 82 menschliche Richter oder eine himmlische Ratsversammlung beschreibt, wird unterschiedlich ausgelegt. Für diesen Schritt genügt der gemeinsame Befund: Die angeredeten „Götter“ stehen unter Gottes Gericht. Jesus behauptet nicht, er sei einer dieser ungerecht richtenden und zum Sterben verurteilten Gestalten.

3. Die Fortsetzung entscheidet über Jesu Anspruch

Jesus endet nicht mit „Auch ich bin nur ein Beauftragter“. In Johannes 10,37–38 fordert er die Prüfung seiner Werke und führt zur wechselseitigen Gegenwart: Der Vater ist in ihm und er im Vater. Im vorangehenden Zusammenhang geben seine Schafe ihm Anlass, von ewigem Leben und unüberwindlicher Bewahrung zu sprechen.

Der Schriftverweis hält also die Diskussion offen, damit sein Anspruch an seinen Werken erkannt wird. Wer ihn zu einer Abschwächung macht, muss den anschließenden Höhepunkt des Gesprächs erklären.

4. Ein Wort kann verschiedene Reichweiten haben

Dass Menschen „Götter“ genannt werden, macht nicht jede Gottesanrede metaphorisch. Ebenso macht der menschliche Gebrauch von „Herr“ nicht jede Aussage über Gottes Herrschaft zu einem menschlichen Amt. Bedeutung entsteht durch Zusammenhang und Prädikate.

Deshalb müssen Psalm 82, Johannes 10 und Thomas’ Anrede in Johannes 20 jeweils genau gelesen werden. Die gleiche Vokabel liefert keinen Freibrief, unterschiedliche Aussagen gleichzusetzen. Jesu Verteidigung nimmt seinen Gegnern einen vorschnellen Vorwurf; sie nimmt ihm nicht seine Gottheit.

Bibeltexte im Zusammenhang

Quellen und Vertiefung

  1. Robert L. Reymond, A New Systematic Theology of the Christian FaithAbschnitt zu Johannes 10, S. 229–230: Argument aus Psalm 82 und Fortgang des Gesprächs.
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