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CHRISTOlogisch · Trinität · C03

Johannes 10: Sind Vater und Sohn nur einig?

3 Minuten Lesezeit · Mit Bibeltexten und Quellen

Der Einwand

„Ich und der Vater sind eins“ muss keine Wesenseinheit bedeuten. Auch die Jünger sollen eins sein. Außerdem nennt Jesus in seiner Antwort andere Menschen „Götter“.

1. Jesus erklärt die unzerstörbare Sicherheit seiner Schafe

Der Gedankengang beginnt nicht erst in Johannes 10,30. Jesus gibt den Schafen ewiges Leben, und niemand kann sie seiner Hand entreißen (Vers 28). Danach sagt er Entsprechendes von der Hand des Vaters (Vers 29). Erst dann erklärt er: Er und der Vater sind eins. Die Einheit betrifft hier ihre wirksame Bewahrung, die durch keine fremde Macht überwunden werden kann.

„Eins“ steht im Neutrum; „wir sind“ steht im Plural. Vater und Sohn sind also nicht dieselbe Person. Aber das Neutrum bestimmt für sich allein auch noch nicht den ganzen Umfang ihrer Einheit. Dieser ergibt sich aus dem Handeln, das Jesus gerade beiden zuschreibt.[1]

2. Die Einheit der Jünger hat einen anderen Grund

Johannes 17 bittet um die Einheit der Glaubenden. Daraus folgt nicht, dass jede mit „eins“ beschriebene Beziehung gleichartig sein muss. Die Jünger empfangen Leben, Herrlichkeit und Gemeinschaft; der Sohn gibt ewiges Leben. Ihre Einheit ist geschenkt und abhängig. Die Einheit von Vater und Sohn ist der Grund, aus dem diese Gabe kommt.

Auch das „wie“ in Johannes 17,21 behauptet keine völlige Gleichheit zwischen Geschöpf und Schöpfer. Es stellt die Gemeinschaft der Glaubenden unter das Vorbild und die Wirksamkeit der Gemeinschaft von Vater und Sohn. Wer beides gleichsetzt, müsste den Jüngern auch Jesu vorweltliche Herrlichkeit und seine Schöpferstellung zuschreiben.

3. Psalm 82 ist ein Gegenargument, kein Rückzug

Jesus beantwortet den Lästerungsvorwurf mit einer Schriftstelle, in der die Bezeichnung „Götter“ tatsächlich vorkommt. Damit zeigt er zunächst: Schon eure Schrift erlaubt den Ausdruck in einem bestimmten Zusammenhang. Der Gebrauch einer göttlichen Bezeichnung kann deshalb nicht ohne jede weitere Prüfung als Lästerung gelten.

Jesus setzt sich aber nicht einfach mit den Adressaten des Psalms gleich. Er unterscheidet sie, an die Gottes Wort erging, von sich, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat. Sein Argument geht vom Geringeren zum Größeren. Ob man die Adressaten von Psalm 82 als irdische Richter oder als himmlische Wesen versteht, ändert an dieser argumentativen Richtung nichts.

4. Jesus führt zurück zu seinen Werken und seiner Einheit mit dem Vater

Die abschließende Erklärung lautet nicht: Ich bin lediglich einer jener „Götter“. Jesus fordert auf, seine Werke wahrzunehmen, damit seine Hörer erkennen, dass der Vater in ihm und er im Vater ist (Johannes 10,37–38). Das entspricht Johannes 5,19–23: Der Sohn tut die Werke des Vaters, gibt Leben und soll wie der Vater geehrt werden.

Johannes 10,30 ist deshalb kein isoliertes Sprachrätsel. Die Gleichheit der rettenden Macht, das Geben ewigen Lebens und die gegenseitige Gegenwart gehören zusammen. Bloße Übereinstimmung zweier getrennter Akteure erklärt diese Aussagen nicht. Der Text unterscheidet Vater und Sohn und bekennt ihre ungeteilte göttliche Wirksamkeit.

Bibeltexte im Zusammenhang

Quellen und Vertiefung

  1. Robert L. Reymond, A New Systematic Theology of the Christian FaithKap. 8, „The Unity of the Son and the Father“, S. 229–230; Bewahrung der Schafe und Argument aus Psalm 82.
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