Der Einwand
Paulus sagt, der Herr sei der Geist und der letzte Adam sei ein lebendig machender Geist geworden. Wenn Jesus der Geist ist, können Sohn und Heiliger Geist doch nicht zwei verschiedene Personen sein.
1. „Herr“ muss aus dem Zusammenhang bestimmt werden
2. Korinther 3 nimmt die Szene auf, in der Mose vor den Herrn tritt und die Decke ablegt. Paulus bezieht sie auf die durch den Geist bewirkte Freiheit und Erkenntnis. Deshalb ist zunächst zu fragen, ob „der Herr“ hier den im Exodus angesprochenen Gott bezeichnet oder Christus in seinem gegenwärtigen Heilshandeln.[1]
Beide Auslegungslinien werden vertreten. Der Satz kann nicht ohne diesen Schritt in eine abstrakte Identitätsformel „Jesus ist dieselbe Person wie der Heilige Geist“ verwandelt werden.
2. Die Aussage betrifft göttliche Gegenwart und Wirksamkeit
Paulus erklärt, wie die Decke entfernt und die Herrlichkeit erkannt wird. Der Geist macht lebendig; in seiner Gegenwart begegnet der Herr befreiend. Eine Bezugnahme auf Christus beschreibt deshalb die untrennbare Gegenwart des erhöhten Herrn durch seinen Geist. Sie muss nicht bedeuten, dass jede personale Unterscheidung aufgehoben wird.
Der folgende Ausdruck „Geist des Herrn“ wahrt selbst eine Beziehung. Römer 8 kann entsprechend vom Geist Gottes, vom Geist Christi und von Christus in den Gläubigen sprechen, ohne daraus drei voneinander unabhängige Heilsvorgänge zu machen.
3. Der letzte Adam wird nicht zur dritten Person der Trinität
1. Korinther 15 vergleicht Adam als Empfänger des Lebens mit Christus als dem, der Auferstehungsleben vermittelt. Das Thema ist der natürliche und der geistliche Leib. „Geistlich“ bedeutet dort nicht körperlos; Paulus verteidigt gerade die leibliche Auferstehung.
Wenn der letzte Adam lebendig machender Geist heißt, beschreibt dies seine lebensspendende Stellung als Auferstandener. Es berichtet nicht, der Sohn habe seine Person oder seine Menschheit abgelegt und sei zum Heiligen Geist umgewandelt worden. Ein solcher Vorgang wäre dem Argument fremd.
4. Gemeinsames Lebendigmachen ist keine Austauschbarkeit der Personen
Johannes 14,16 unterscheidet den Sohn vom anderen Beistand, den er vom Vater erbittet. Diese ausdrückliche Beziehung wird nicht durch eine verdichtete Aussage über ihre gemeinsame Wirksamkeit gelöscht. Umgekehrt dürfen wir die Einheit ihres Wirkens nicht auf eine bloße Zusammenarbeit getrennter Wesen reduzieren.
Paulus zeigt, wie der eine göttliche Lebenszuspruch uns erreicht: vom auferstandenen Christus im Heiligen Geist. Die Texte bestimmen das Heilshandeln und dessen Wirksamkeit. Sie liefern keinen Anlass, den bittenden Sohn und den gesandten Beistand als dieselbe Person zu behandeln.
Bibeltexte im Zusammenhang
Quellen und Vertiefung
- NET Bible, 2. Korinther 3,16–18Bezug auf 2. Mose 34,34 und die Formulierung vom Herrn und Geist.