"Vielleicht kannst du ja mir als nächstes einfach mal die Frage beantworten, wer JESUS gezeugt hat:

 

Der VATER persönlich, wie es in Ps. 2,7 steht,

oder der HEILIGE GEIST persönlich, wie es in Mt. 1,18.20 steht.

(Anmerkung: "persönlich" verstehe ich hier im Sinne deiner Trinitätslehre)."

 

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Bevor ich auf diese Frage antworte, muss ich einige Sachen ansprechen, die sie mitbringt und impliziert.

 

 

 

1. Kritik am Umgang mit Schriftstellen:

 

Ich will dich bestimmt nicht vor den Kopf stoßen, aber mich irritiert sehr nicht nur wie du argumentierst, sondern selbst auf welche Weise du Fragen stellst. Es erinnert mich stark an die Art und Weise, wie ich es in meinen Dialogen mit Muslimen gewohnt bin, die sehr hinterhältig und listig sind, weil Allah selbst sich den größten aller Listenschmied nennt und die Erlaubnis zum Lügen gegeben hat in der Anstrengung für seine "Sache" (Jihad).

Was ich meine, dass will ich dir gleich aufzeigen, weil ich nicht wirklich denke oder besser hoffe, dass du das bewusst machst:

 

Es ist nicht das erste Mal, dass du Bibelstellen nicht korrekt wiedergibst, sondern sie - ähnlich den Zeugen Jehovas mit ihrer Neue-Welt-Übersetzung – einfach in deine Lehre ÜBERTRÄGST.

Was ich meine ist: Wo steht in Ps 2,7, dass der VATER den Messias gezeugt hat? Wo findet man überhaupt im gesamten Psalm2 das Wort "Vater"?

Dort steht, dass YHWH gesprochen hat: Mein Sohn bist du…

 

Hierbei mag es durchaus sein, dass der Vers für sich ganz allein genommen, deine Sicht hergibt. Aber wenn du durch deine Frage, ob der VATER persönlich Jesus gezeugt hat, "WIE ES IN PS. 2,7 STEHT", deine Auslegung in diesen Vers hinließt, dann betreibst du Eisegese auf eine unlautere und dem Geist des Herrn widerfahrend täuschende Weise.

 

Noch einmal: Dort steht nicht, dass der Vater den Sohn gezeugt hat, sondern dass YHWH den Sohn gezeugt hat. Wie gesagt, es mag sein, dass YHWH deinem Verständnis nach den Vater meint; hier geht es aber gerade darum, ob deine unitarische/modalistische oder meine trinitarische Sicht die richtige ist. Wenn du nun deine Sicht hineinliest, um deine Sicht zu begründen, dann ist das ein Zirkelbeweis und somit ein ungültiger logischer Fehlschluss (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Petitio_principii).

 

Aber wie gesagt, am meisten stößt mir bei dir dieses Täuschende deiner Vorgehensweise auf, die ich mit einem Nachfolger Christi, weil mit dessen Geist nicht zu vereinbaren, nicht überein bekomme. Das hast du nämlich schon im Vorfeld getan, als du behauptet hast, dass in Joh 4,24 stehen würde, dass der VATER ein Geist sei. Dort steht aber, dass Gott (theos) Geist ist. Diese Tatsache ist in einer Diskussion wie der unseren, ob das eine Wesen Gottes ein- oder dreipersonal ist, äußert ausschlaggebend und von entscheidender Bedeutung und nicht ein unwesentliches Detail! Es handelt sich um das theopneumatisierte (gottgehauchte) Wort Gottes (2Tim 3,16). Von dieser Inspiration durch den Geist Gottes sagt der Apostel Paulus, dass sie bis ins einzelne Wort geht:

 

Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, um die Dinge zu kennen, die uns von Gott geschenkt sind; die wir auch verkündigen, nicht in Worten, gelehrt durch menschliche Weisheit, sondern in Worten, gelehrt durch den Geist, mitteilend geistliche Dinge durch geistliche Mittel. (1Kor 2,12-13).


Ich bitte dich, dass in Zukunft zu würdigen. Du kannst mir sonst keinen Vorwurf machen, wenn ich behaupte, dass, wenn es so um deine Herangehensweise derart bestellt ist, es nicht zu verwundern braucht, dass du an dieser (harmlos erscheinenden) Irrlehre festhältst – schließlich setzt du sie voraus und findest sie dann überall bestätigt.



2. Kritik an der Logik des Arguments


Dass beide, die Person des Vaters und die des Hl. Geist, nicht an der Zeugung des Herrn Jesus beteiligt sein könnten, birgt einige Implikationen, die ebenfalls aufgedeckt und betrachtet werden müssen:

 

a) Wie bereits gesagt, im gesamten Ps 2 steht nichts vom VATER, sondern von YHWH, der nach der neutestamentlichen Lehre der Trinität dreipersonal ist – Er ist der eine „Jahwe (Sing.) Elohim (Plur.)“. Allein diese Beobachtung macht dein Argument nicht nur hinfällig im Bezug auf die trinitarische Position, sondern bestätigt sie zu einem gewissen Grad (im nächsten Punkt b) deutlich). Sie besagt nämlich, dass es unterschiedliche Rollen/Funktionen gibt innerhalb der Gottheit. Das wird u.a. in dem längsten überlieferten Satz der gesamten Antike deutlich – in Eph 1,3-14. Dort wird gezeigt, dass das Evangelium trinitarisch ist: V. 3-6 zeit, dass der Vater den Entschluss zur Erlösung und den Plan der Erlösung vor Grundlegung der Welt gefasst hat; V. 7-12, dass der Sohn die Erlösung ausgeführt hat; und V. 13-14, dass der Hl. Geist die Wohltat der Erlösung an den Gläubigen anwendet.

 

b) Du kannst nicht abstreiten, dass der zugrundeliegende Vorwurf/Widerspruch deiner Frage in gewisser Weise von einem „natürlichen“ Verständnis der Zeugung abhängig ist; d.h. wie er unter uns Menschen üblich ist. Die biblische Offenbarung Gottes erklärt diesen Vorgang aber nicht näher, nur als durch den Hl. Geist geschehen. Wie in Punkt a) anhand von Eph 1,3-14 dargestellt, sehen wir eine Rollenverteilung und dass der Vater durch den Hl. Geist handelt. Dass hier kein logisches Problem mit der trinitarischen Position besteht, kann durch einen Vergleich verdeutlicht werden: der künstlichen Befruchtung. Wie schon erwähnt, Gott hat nichts näheres über die Zeugung des Herrn offenbart und ich behaupte weder, dass es sich um einen natürlichen noch um einen künstlichen Vorgang gehandelt hat, sondern möchte nur etwas veranschaulichen: Wenn du auf natürlichem Wege kein Kind zeugen könntest und ein Arzt würde deinen Samen von dir nehmen und deine Frau damit künstlich befruchten, wäre der Arzt dann der Vater des Kindes oder du? - Selbstverständlich bist du der Vater.

 

Hier besteht also kein Problem mit der trinitarischen Position. Im Gegenteil ist diese Ansicht sowohl mit Ps 2,7 als auch mit den Aussagen der Schrift über das Wirken des Heiligen Geistes bei der Zeugung des Herrn in absoluter Harmonie.

 

 

c) Das bisher Aufgeführte zeigt, dass die trinitarische Position alles andere als logisch abwegig ist, sondern viel mehr dass du nicht sauber arbeitest und das ganze nicht richtig durchdacht hast (Dabei will ich jetzt auf keinen Fall hochmütig erscheinen, sondern demütig eine einfache, nüchterne und sachliche Beurteilung treffen anhand dessen, was bereits ans Licht kommen durfte durch die Gnade Gottes).

 

Wie sieht es aber jetzt mit deiner modalistischen/unitarischen Position aus, dass der Herr Jesus absurderweise tatsächlich sein eigener Vater sein soll!?



3. Zusammenfassung


Diese Antwort ist nun ausführlicher ausgefallen, weil ich sie auf meiner apologetischen Seite „Bar & Abbaz Apologetik“ veröffentlichen werde.

 

 

Kurz zusammengefasst für unseren Dialog hier lautet meine Antwort:


  1. Du stellst YHWH mit der Person des VATERs gleich und liest so deine Auslegung in Ps 2,7 hinein. YHWH wird aber als Bezeichnung für den Vater, wie sowohl für den Sohn (Ps 102,26-28 in Verbindung mit Hebr 1,8a.10-12) als auch den Hl. Geist (Jes 6,9-10 in Verbindung mit Apg 28,26-27) verwendet und stellt somit kein sinnvolles Argument gegen die trinitarische Position dar.


  1. Niemand weiß, wie Maria vom Hl. Geist empfangen hat. Der Vergleich mit einer künstlichen Befruchtung zeigt, dass der Arzt den Samen eines Mannes nehmen und dessen Frau einpflanzen kann und der Mann der Vater des Kindes seiner Frau bleibt und nicht der Arzt. Erst recht kann der Vater durch den Hl. Geist die Maria ein Kind empfangen lassen.


  1. Es ist vielmehr die unitarische/modalistische Position, die den bizarren Umstand erklären muss, dass der Herr Jesus sein eigener Vater sein soll.


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Sei mir außerdem nicht böse, aber ich werde diese Lehre eine Irrlehre nennen, weil sie genau das darstellt und die verderbliche Folge hat, dass niemand, der an ihr festhält ein Christ und erlöstes Kind Gottes sein kann. Ich bete, dass Gott dir Buße zur Erkenntnis der Wahrheit schenkt, wie Er sie mir geschenkt hat. Denn ich selbst habe noch vor 13 Jahren, bevor ich in eine bibeltreue Gemeinde kam, intensiv die Schriften vom Geisterseher Emanuel Swedenborg studiert, durch welchen erst diese alte sibelianische Irrlehre nach vielen Jahrhunderten wieder auflebte, mit der Modifizierung, dass JESUS nun ein und dieselbe Person des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes sei. Eine meiner Aussagen in den Foren von Jesus.de bezüglich der Trinität lautete damals, dass ich im vollen Ernst lieber sterben würde, als diese Lehre von der Dreipersonalität Gottes anzunehmen. Nun, heute bin ich hier und alleine durch das Zeugnis der Schrift zu der Überzeugung gezwungen und überzeugt, dass der eine Gott tatsächlich ein dreipersonales Wesen ist, dass ich nur begrenzt verstehen kann. Daher habe ich die Hoffnung und bete, dass der eine Jahwe, der die Elohim ist, dich durch Seine Güte zur Buße leitet und dir so Erkenntnis der Wahrheit schenkt und du deinen Verstand, der vom Sündenfall her nicht willens noch fähig ist sich Seinem Wort zu beugen, sondern immer selbst bestimmen möchte, was gut und böse, was wahr und falsch ist, Seinem Wort unterordnen kannst.


Shalom

 

Jozeph Barnabaz