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CHRISTOlogisch · Trinität · A06

Zirkelschluss und Flucht ins Geheimnis?

2 Minuten Lesezeit · Mit Bibeltexten und Quellen

Der Einwand

Wenn die Trinität schon vorausgesetzt wird, bevor die Texte geprüft werden, scheint das Ergebnis festzustehen. Kann dann nicht jeder Gegenbeleg umgedeutet und jede Schwierigkeit zum Geheimnis erklärt werden?

1. Kein Denken beginnt ohne Maßstab

Wer eine Begründung verlangt, setzt bereits voraus, dass Wahrheit gilt, Schlussfolgerungen verbindlich sein können und unsere Begriffe etwas erkennen lassen. Der Streit betrifft deshalb nicht Voraussetzungen gegen Voraussetzungslosigkeit. Er betrifft die Frage, welcher letzte Maßstab unser Denken rechtfertigt. Wir bekennen den wahrhaftigen Gott als Ursprung von Wirklichkeit und Erkenntnis; wir verleihen ihm seine Autorität nicht erst durch ein unabhängiges Gericht.[1]

2. Gottes Autorität ist nicht unsere Unfehlbarkeit

Aus „Gottes Wort irrt nicht“ folgt keineswegs „meine Erklärung dieses Verses irrt nicht“. Wer beides verwechselt, setzt seine Auslegung an die Stelle der Offenbarung. Gerade die Autorität der Schrift verpflichtet uns, Wortlaut, Zusammenhang und Argumentationsgang genau zu lesen. Eine liebgewonnene Übersetzung kann falsch sein; ein vermeintlicher Beleg kann auf einer späten Lesart beruhen.

Die Bereinigung solcher Argumente ist kein Abrücken von der Schrift. Sie ist Gehorsam gegenüber ihrem tatsächlichen Text. Wir brauchen etwa das Comma Johanneum nicht zu verteidigen, um Vater, Sohn und Geist zu bekennen.

3. Ein oberster Maßstab ist kein leerer Kreisschluss

„Die Trinität stimmt, weil die Trinität stimmt“ erklärt nichts. Eine christliche Begründung entfaltet dagegen, was die Schrift über Gott sagt, welche Folgerungen daraus entstehen und an welchen Stellen konkurrierende Deutungen am Text scheitern. Dass dabei Gottes Wahrhaftigkeit grundlegend bleibt, macht diese einzelnen Argumentationsschritte nicht überflüssig.

Ein Argument gegen die Trinität kann zudem immanent geprüft werden: Folgt sein Schluss wirklich aus seinen eigenen Prämissen? Bedeutet beispielsweise „Jesus ist Mensch“ tatsächlich „Jesus ist ausschließlich Mensch“? Diese fehlende Prämisse lässt sich präzise benennen, ohne vorzugeben, wir urteilten aus einem gottfreien Raum.

4. Ein Geheimnis ist kein Widerspruch

Ein Geheimnis bezeichnet eine Wirklichkeit, die Gott offenbart und die wir nicht erschöpfend begreifen. Es erlaubt nicht, denselben Satz im selben Sinn zugleich zu bejahen und zu verneinen. Ebenso wenig ersetzt das Wort die Erklärung eines konkreten Textes. Thomas warnt vor vermeintlichen Beweisen, die tatsächlich nicht tragen.[2]

Presuppositionale Gewissheit verlangt daher größere Sorgfalt: Weil Gott wahrhaftig ist, dürfen wir weder die Schrift noch die Logik für eine schnelle Antwort verbiegen.

Bibeltexte im Zusammenhang

Quellen und Vertiefung

  1. Vern S. Poythress, Making Sense of the WorldS. 10–12: Gottes Perspektive und die Abhängigkeit menschlicher Erkenntnis.
  2. Thomas von Aquin, Summa theologiaeI, q. 32, a. 1: Unzulängliche Beweise sind keine Verteidigung des Glaubens.
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