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CHRISTOlogisch · Trinität · L02

Ist ein unitarischer Gottesbegriff nicht einfacher?

3 Minuten Lesezeit · Mit Bibeltexten und Quellen

Der Einwand

Ein Gott als eine Person ist leichter vorstellbar als ein Gott in drei Personen. Wenn eine einfachere Erklärung möglich ist, sollte sie gegenüber einer komplizierten Trinitätslehre bevorzugt werden.

1. Kürze ist kein selbstständiges Wahrheitskriterium

Eine Erklärung kann kürzer werden, indem sie einen Teil der zu erklärenden Tatsachen weglässt. Damit ist nichts gewonnen. Die unitarische Formel muss ebenso wie die trinitarische erklären, weshalb das Wort Gott genannt wird, weshalb der Sohn vor der Welt beim Vater Herrlichkeit besaß und weshalb ihm dieselbe Ehre wie dem Vater zukommt.

Der eigentliche Vergleich lautet daher nicht „ein Satz gegen einen längeren Satz“, sondern: Welche Deutung hält die Aussagen der Offenbarung zusammen, ohne ihren Sinn fortlaufend umzubauen? Eine einfache Formel mit vielen nachträglichen Ausnahmen kann insgesamt die aufwendigere Erklärung sein.

2. Der vermeintlich einfache Ausgangspunkt ist bereits eine Entscheidung

„Gott ist eine Person“ scheint nur dann selbstverständlich, wenn jede Einheit nach dem Muster eines geschaffenen Einzelindividuums verstanden wird. Diese Annahme ist nicht wertfrei. Sie legt vor dem Hören auf Gottes Wort fest, welche personale Wirklichkeit Gott besitzen darf.

Wir beginnen dagegen bei Gottes Selbstoffenbarung. Sein Wort ist nicht ein unsicherer Gegenstand vor einem unabhängigen menschlichen Gericht. Es ist der Maßstab, durch den wir Gott und unsere eigene Erkenntnis richtig einordnen. Das entbindet nicht vom Denken; es verpflichtet dazu, die empfangenen Aussagen genau und widerspruchsfrei zu verstehen.

3. Einheit und Verschiedenheit sind in Gott ursprünglich

Johannes 17,24 bezeugt Liebe zwischen Vater und Sohn vor der Schöpfung. Gott musste die Welt nicht schaffen, um erstmals eine wirkliche Beziehung der Liebe zu haben. Seine Vollkommenheit hängt nicht von einem geschaffenen Gegenüber ab.

Poythress arbeitet heraus, dass Einheit und Verschiedenheit in der geschaffenen Welt auf ihrer geschöpflichen Ebene Gottes eigene Fülle widerspiegeln. Keine begrenzte menschliche Perspektive ist der letzte Maßstab; dieser liegt in Gottes vollkommenem Wissen.[1] Daraus lässt sich nicht ohne Offenbarung die Zahl drei errechnen. Es zeigt aber, weshalb die personale Fülle Gottes kein nachträglich aufgesetztes Problem ist.

4. „Einfachheit“ hat auch einen präzisen theologischen Sinn

Göttliche Einfachheit bedeutet in der klassischen Lehre, dass Gott nicht zusammengesetzt oder von Bestandteilen abhängig ist. Sie bedeutet nicht, dass jeder Mensch ihn leicht überblicken kann.[2] Wer beides verwechselt, macht die Grenzen seines Vorstellungsvermögens zum Maß der göttlichen Wirklichkeit.

Die Trinität ist daher nicht wegen ihrer Schwierigkeit wahr. Sie ist wahr, weil Gott sich als Vater, Sohn und Geist offenbart. Ihr gedanklicher Anspruch entsteht daraus, dass keine dieser Aussagen geopfert werden darf. Christliches Denken sucht die klarste Darstellung dieser Wahrheit, nicht den Gott, den man am bequemsten auf ein vertrautes menschliches Muster reduzieren kann.

Bibeltexte im Zusammenhang

Quellen und Vertiefung

  1. Vern S. Poythress, Making Sense of the WorldKap. 1, S. 10–12: trinitarische Einheit und Verschiedenheit; Gottes Erkenntnis als Maßstab.
  2. James E. Dolezal, God without PartsKap. 2: Einfachheit als Nichtzusammengesetztheit, nicht als leichte Vorstellbarkeit.
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