Der Einwand
Der Koran fordert die Einheit Gottes, verbietet „drei“ zu sagen und verneint, dass Gott zeugt oder gezeugt wird. Eine ewige Sohnschaft scheint Gottes Einzigkeit zu verletzen und geschöpfliche Verhältnisse in ihn hineinzutragen.
1. Die christliche Behauptung muss richtig benannt werden
Der Koran weist in Sure 4,171 die Drei-Rede und die Sohnschaft zurück; Sure 112 betont Gottes Einzigkeit und verneint Zeugung.[1][2] Christen lehren jedoch weder drei Götter noch eine körperliche Fortpflanzung Gottes. „Sohn“ bezeichnet zunächst die ewige personale Beziehung zum Vater; Jesu Geburt aus Maria ist davon zu unterscheiden.
Maria gehört nicht zur Trinität. Sure 5,116 spricht von Jesus und Maria als angeblich neben Gott verehrten Gottheiten.[3] Diese Vorstellung entspricht nicht dem christlichen Bekenntnis. Damit ist aber nicht der ganze islamische Einwand erledigt: Auch ein Muslim, der Vater, Sohn und Geist korrekt versteht, kann die personale Dreiheit und ewige Sohnschaft ablehnen.
2. Einheit und Einpersonalität sind nicht dasselbe
Der christliche Monotheismus bekennt einen ungeschaffenen Gott. Vater, Sohn und Geist sind keine drei Angehörigen einer Göttergattung. Der islamische Widerspruch betrifft darüber hinaus die Frage, ob reale personale Beziehungen in diesem einen Gott bestehen können.
Das Wort „Einheit“ beantwortet diese zweite Frage nicht von selbst. Wer behauptet, ein Gott müsse eine einzige Person sein, verwendet eine zusätzliche Bestimmung des göttlichen Wesens. Diese Bestimmung kann nicht einfach als neutrales Ergebnis des Zählens gelten.
3. Die Sohnschaft wird aus der Offenbarung Christi verstanden
Johannes 17,24 spricht von der Liebe des Vaters zum Sohn vor Grundlegung der Welt. Johannes 1,1–3 stellt das Wort bei Gott und zugleich auf die ungeschaffene Seite aller Wirklichkeit. Hier liegt weder ein biologischer Mythos noch die Vergöttlichung eines ursprünglich bloßen Menschen vor.
Die klassische Lehre ewiger Zeugung versucht genau diese ewige Beziehung zu benennen, ohne Entstehung, Teilung oder geringere Gottheit zu behaupten. Thomas unterscheidet deshalb Herkunftsbeziehung und zeitlichen Anfang.[4] Eine Kritik an körperlicher Fortpflanzung trifft diese Lehre nicht. Eine Kritik an jeder ewigen Sohnschaft trifft sie tatsächlich – muss dann aber gegen ihren biblischen Inhalt argumentieren.
4. Die Frage nach der Autorität lässt sich nicht überspringen
Wir verwenden den Koran nicht als höheren Maßstab, der festlegt, was Christus über Gott offenbaren darf. Ebenso sollte man aus der koranischen Bezeichnung Jesu als Wort oder Geist nicht vorschnell eine islamische Bestätigung seiner Gottheit ableiten; diese Ausdrücke stehen dort in einem anderen Deutungsrahmen.
Der tiefste Unterschied betrifft Gottes verbindliche Selbstoffenbarung. Christen empfangen sie im Sohn durch das apostolische Zeugnis. Die Aufgabe im Gespräch ist deshalb, die tatsächlichen Aussagen und Voraussetzungen offenzulegen und die Schrift auszulegen. Respekt vor dem Gesprächspartner verlangt Klarheit über diesen Widerspruch, nicht seine sprachliche Verwischung.
Bibeltexte im Zusammenhang
Quellen und Vertiefung
- Koran, Sure 4,171Primärtext zur Drei-Rede, Sohnschaft und Bezeichnung Jesu.
- Koran, Sure 112Primärtext zur Einzigkeit Gottes und Verneinung der Zeugung.
- Koran, Sure 5,116Primärtext zur Verehrung Jesu und Marias neben Gott.
- Thomas von Aquin, Summa theologiaeI, q. 42, a. 2: ewige Sohnschaft ohne zeitlichen Anfang.