Der Einwand
Das griechische Wort pneuma ist sächlich; der Geist hat außerdem keinen persönlichen Eigennamen. Die Rede von einer dritten göttlichen Person scheint eine spätere Deutung zu sein.
1. Grammatisches Geschlecht entscheidet nicht über Personsein
Im Deutschen ist „das Kind“ sächlich, obwohl ein Kind eine Person ist. Entsprechend sind grammatisches Geschlecht und die Art des bezeichneten Wesens auch im Griechischen zu unterscheiden. Das neutrale pneuma bedeutet nicht „unpersönliches Ding“. Derselbe Wortgebrauch kann sich auf personale Geister beziehen, etwa in Hebräer 1,14.
Der umgekehrte Fehler hilft der Trinitätslehre ebenso wenig: Ein männliches Pronomen beweist für sich allein keine Personalität. Wo der Geist als paraklētos, „Beistand“, bezeichnet wird, ist dieses Bezugswort grammatisch männlich. Dazu passende männliche Pronomen sind kein zwingender Bruch der Grammatik, der erst durch die Gottheit des Geistes erklärt werden könnte.
2. Was der Beistand tut, ist entscheidender als die Endung
Johannes 14,26 identifiziert den Beistand ausdrücklich als den Heiligen Geist und sagt, er werde die Jünger lehren und an Jesu Worte erinnern. Johannes 15,26 unterscheidet sein Zeugnis von dem der Jünger. Johannes 16,13–15 beschreibt sein Hören, Reden und Verherrlichen des Sohnes.
Die Begründung seiner Personalität liegt in dieser durchgehenden Darstellung. Sie bleibt bestehen, wenn ein Pronomen grammatisch sächlich ist, und braucht keine umstrittene Behauptung über grammatische Ausnahmen. Exegese sollte den starken Zusammenhang auslegen, statt eine schwache Einzelbeobachtung zu überfordern.[1]
3. Eine Person braucht keinen Eigennamen nach menschlichem Muster
Auch „Vater“ und „Sohn“ sind zunächst Beziehungsbezeichnungen. Sie unterscheiden Personen, ohne wie menschliche Vornamen zu funktionieren. „Heiliger Geist“ bezeichnet den Geist so, wie Gott ihn offenbart. Das Fehlen eines zusätzlichen Namens beweist genauso wenig Unpersönlichkeit wie die Anrede „Vater“ beim Vater.
Thomas bemerkt, dass die Bezeichnung des Geistes anders gebildet ist als das vertraute menschliche Beziehungspaar Vater–Sohn. Daraus folgt für ihn keine geringere Wirklichkeit der Person. Unsere Sprache hat nicht für jede innergöttliche Beziehung ein unmittelbar entsprechendes Geschöpfmodell.[2]
4. Die Taufformel verbindet Bezeichnung und personale Beziehung
Matthäus 28,19 nennt den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist unter dem einen Namen, auf den getauft wird. Dieser Zusammenhang stellt den Geist nicht als unpersönliches Hilfsmittel neben zwei Personen. Er gehört zur Offenbarung Gottes, auf dessen Autorität und Gemeinschaft die Taufe verweist.
Die Frage nach dem Geist wird deshalb durch Gottes Aussagen über ihn entschieden: wen er sendet, was er erkennt und will, in welcher Beziehung er zu Vater und Sohn steht. Das grammatische Geschlecht seiner Bezeichnung ersetzt diese Prüfung nicht.
Bibeltexte im Zusammenhang
Quellen und Vertiefung
- Robert L. Reymond, A New Systematic Theology of the Christian FaithS. 313–315: personale Prädikate des Geistes. Die Argumentation hier stützt sich nicht auf ein vermeintlich grammatisch unmögliches Pronomen.
- Thomas von Aquin, Summa theologiaeI, q. 36, a. 1: die besondere Bezeichnungsweise „Heiliger Geist“. Der dort ebenfalls angeführte spätere Zusatz zu 1. Johannes 5 wird hier nicht als Schriftbeleg verwendet.