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CHRISTOlogisch · Trinität · E01

Kann eine Person ausgegossen und empfangen werden?

3 Minuten Lesezeit · Mit Bibeltexten und Quellen

Der Einwand

Der Heilige Geist wird ausgegossen, gegeben und empfangen. Menschen werden mit ihm erfüllt. Solche Ausdrücke passen zu einer Kraft oder einem Stoff, nicht zu einer göttlichen Person.

1. Bildsprache beschreibt eine Wirkung, keine stoffliche Zusammensetzung

In Apostelgeschichte 2,17–18 kündigt Gott durch Joel das Ausgießen seines Geistes an. Petrus erklärt damit das prophetische Reden und Gottes wirksame Gegenwart unter seinem Volk. Der Text sagt nicht, der Geist bestehe aus einer Flüssigkeit. Aus dem Bild eine unpersönliche Substanz abzuleiten, verwechselt die Ausdrucksweise mit ihrem Gegenstand.

Auch Christus soll in den Glaubenden wohnen (Epheser 3,17); sie sollen ihn anziehen (Galater 3,27). Niemand folgert daraus, Christus sei ein Gebäudeinhalt oder Kleidungsstück. Bilder des Empfangens und Erfülltwerdens schließen eine persönliche Gegenwart nicht aus.

2. Der Ausgegossene handelt selbst

Derselbe Lukas, der vom Ausgießen berichtet, lässt den Geist in Apostelgeschichte 13,2 sprechen: Barnabas und Saulus sollen für das Werk ausgesondert werden, zu dem er sie berufen hat. In Vers 4 werden sie vom Geist ausgesandt. Der Geist ist hier nicht lediglich die Wirkung einer fremden Entscheidung. Er beansprucht das Werk, beruft seine Diener und sendet sie.

Paulus macht denselben Zusammenhang an den Gaben deutlich: Der eine Geist teilt jedem zu, wie er will (1. Korinther 12,11). Er ist zugleich der persönlich Handelnde und derjenige, dessen Wirken die Gemeinde erfüllt. Die Bilder der Gabe müssen mit diesen Aussagen gelesen werden, nicht gegen sie.[1]

3. Gabe sein bedeutet nicht, ein Gegenstand zu sein

Die tiefste Gabe Gottes ist nicht etwas von ihm Abtrennbares, sondern seine eigene Gegenwart. Darum kann auch der Sohn gegeben werden (Johannes 3,16), ohne dadurch zu einer Sache zu werden. Thomas unterscheidet präzise zwischen dem Gegebensein und der Natur dessen, der gegeben wird: Die Beziehung zum Empfänger macht eine göttliche Person nicht zu einem minderwertigen Wesen.[2]

Beim Geist geht es entsprechend nicht um einen Teil Gottes, der portionsweise verteilt würde. Viele Glaubende empfangen den einen Geist. Seine Gegenwart ist nicht räumlich begrenzt wie die eines Körpers. Die Vielfalt seiner Wirkungen zerlegt ihn nicht in Stücke.

4. Pfingsten ist ein trinitarisches Geschehen

Apostelgeschichte 2,33 nennt den erhöhten Jesus, den Vater und den verheißenen Geist. Der Sohn empfängt vom Vater die Verheißung des Geistes und gießt aus, was die Hörer wahrnehmen. Die Sendung offenbart eine Ordnung des Handelns; sie beweist keine Abstufung göttlichen Wesens. Der Kontext verbindet die Gabe des Geistes gerade mit der Erhöhung Jesu zum Herrn.

Die Folgerung „ausgegossen, also unpersönlich“ scheitert damit doppelt: Sie behandelt ein Bild wie eine Stoffbeschreibung und isoliert es von den Aussagen über das eigene Wollen und Handeln des Geistes.

5. Ist „Gottes Geist“ nur Gottes Besitz oder Kraft?

Ein Zugehörigkeitsausdruck bestimmt noch keine Wesensart. „Gottes Sohn“ bezeichnet ebenfalls jemanden in einer Beziehung zu Gott, keinen unpersönlichen Besitz. In Römer 8,9 heißt derselbe Geist sowohl Gottes Geist als auch Geist Christi; anschließend spricht Paulus von Christus in den Glaubenden. Die Wendungen verbinden das Wohnen des Geistes mit der Gegenwart Gottes und Christi. Sie machen ihn weder zu zwei verschiedenen Kräften noch zu einer von Gott abtrennbaren Sache.[3]

Die Personalität wird nicht aus dem Genitiv „Gottes“ allein abgeleitet. Sie ergibt sich aus dem beschriebenen Erkennen, Wollen und Handeln desselben Geistes. Der Besitzsprache eine grundsätzlich unpersönliche Bedeutung vorzuschreiben, würde diese eindeutigen Aussagen durch eine unbegründete Grammatikregel ersetzen.

Bibeltexte im Zusammenhang

Quellen und Vertiefung

  1. Robert L. Reymond, A New Systematic Theology of the Christian FaithAbschnitt zur Gottheit und Personalität des Heiligen Geistes, S. 313–315.
  2. Thomas von Aquin, Summa theologiaeI, q. 38, a. 1: „Gabe“ als Bezeichnung einer göttlichen Person; besonders die Antworten auf die Einwände.
  3. Römer 8,9–11Gottes Geist, Geist Christi und Christi Gegenwart in den Glaubenden im selben Argumentationsgang.
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