Der Einwand
Jesaja 9 könnte nur einen königlichen Thronnamen nennen. Micha 5 könnte die alte davidische Herkunft des Messias meinen. Werden diese Texte nicht überdehnt, wenn man daraus ewige Gottheit ableitet?
1. Jesajas Titel dürfen nicht vorschnell abgeschwächt werden
Jesaja 9 verbindet das geborene Kind mit einer außerordentlichen Herrschaft und einer Folge gewichtiger Namen. „Starker Gott“ lautet im Hebräischen el gibbor. Dieselbe Verbindung bezeichnet in Jesaja 10,21 Israels Gott. Es wäre daher unbegründet, hier schlicht eine feste Rangstufe unterhalb des wahren Gottes anzunehmen.
Es gibt allerdings unterschiedliche Deutungen der Namensgebung: Trägt der König alle Titel, oder enthält die Formulierung eine Aussage über Gott, der ihn benennt? Auch eine repräsentative Königssprache wird diskutiert. Der unmittelbare Zusammenhang und die endgültige Erfüllung müssen deshalb gemeinsam bedacht werden.[1]
2. „Ewig-Vater“ macht den Sohn nicht zur Person des Vaters
Ein König kann als fürsorglicher Vater seines Volkes beschrieben werden. Der Titel bezeichnet dann seine dauerhafte, schützende Herrschaft. Er ist nicht schon eine Definition der innertrinitarischen Vaterschaft. Andernfalls müsste jede väterliche Bezeichnung in der Bibel dieselbe personale Identität herstellen.
Christlich gelesen entfaltet Jesaja die Hoheit des kommenden Messias. Dass dieser Messias der Sohn ist, verbietet nicht, seine königliche Fürsorge als väterlich zu bezeichnen. Die Beziehung zum Volk und die Beziehung zum göttlichen Vater sind verschieden.
3. Micha erlaubt keinen automatischen Ewigkeitsbeweis
Micha 5,1 spricht vom kommenden Herrscher aus Bethlehem und seinen Ursprüngen aus früher Zeit. Die hebräischen Wendungen können sehr alte geschichtliche Zeiten bezeichnen. Sie bedeuten nicht in jedem Vorkommen philosophisch anfangslose Ewigkeit. Die Verbindung mit Bethlehem und David ist daher eine ernsthafte Auslegung des Wortlauts.[2]
Matthäus 2 verwendet die Stelle für Jesu Geburtsort und messianische Herrschaft. Seine Anwendung beweist nicht allein, dass jedes Zeitwort der Micha-Stelle bereits eine vollständige Präexistenzlehre ausdrückt.
4. Die Erfüllung beleuchtet die Verheißung
Das Neue Testament nennt Jesu Herrlichkeit beim Vater vor der Welt und seine Schöpferstellung ausdrücklich. In diesem Licht erkennt die christliche Lektüre die volle Tiefe der königlichen Verheißungen. Sie braucht dafür die hebräischen Wörter nicht mit einer Bedeutung zu überladen, die ihnen nicht überall zukommt.
Jesajas göttliche Königstitel haben erhebliches Gewicht. Michas Herkunftsaussage trägt für sich weniger als ein zwingender Ewigkeitsbeweis. Diese Unterscheidung schwächt Christi Gottheit nicht; sie sorgt dafür, dass die Verteidigung auf den tatsächlichen Aussagen der Texte ruht.
Bibeltexte im Zusammenhang
Quellen und Vertiefung
- NET Bible, Jesaja 9,6 nach englischer ZählungAnmerkungen zu den Königstiteln und zu den konkurrierenden Satzgliederungen.
- NET Bible, Micha 5,2 nach englischer ZählungAnmerkung zur Bedeutung der Herkunft aus früher Zeit.