Der Einwand
Elohim ist zwar der Form nach ein Plural, wird für Israels Gott aber meist mit einem Verb im Singular verbunden. Auch „Lasst uns Menschen machen“ könnte Gottes himmlischen Rat meinen. Damit entfällt ein verbreiteter Beweis für die Trinität.
1. Eine Pluralform ist noch keine Personenlehre
In 1. Mose 1,1 ist das Verb „schuf“ singularisch. Der Satz stellt einen Schöpfer vor. Aus der Wortform elohim allein lassen sich weder mehrere Personen noch genau drei Personen ableiten. Ein solches Wörterbuchargument würde mehr behaupten, als die Grammatik trägt.
Damit ist jedoch nur ein unzureichender Beweis widerlegt. Der Einwand widerlegt nicht die Trinität. Das wäre der Fehlschluss: Eine bestimmte Begründung scheitert, also ist die begründete Lehre falsch. Die eigentliche Grundlage ist die gesamte Selbstoffenbarung Gottes.
2. Das „Uns“ wird unmittelbar von einem göttlichen „Er“ gefolgt
1. Mose 1,26 enthält die Mehrzahl „Lasst uns … in unserem Bild“. Vers 27 berichtet die Ausführung dreifach mit dem einen göttlichen Schöpfer als Handelndem: Gott schuf den Menschen in seinem Bild. Menschen werden nicht als Gemeinschaftswerk Gottes und geschaffener Mit-Schöpfer dargestellt.
Die Deutung als Anrede des himmlischen Rates erklärt eine mögliche Gesprächssituation, aber sie darf Engel nicht zu Trägern göttlicher Schöpfermacht machen. Eine innergöttliche Anrede ist mit der späteren Offenbarung vereinbar; aus diesem Vers allein ergibt sich die vollständige Trinitätslehre dennoch nicht. Der Text setzt eine Frage, deren ganze Antwort erst der weitere Kanon liefert.[1]
3. Das Neue Testament identifiziert den Schöpfer genauer
Johannes 1,1–3 greift den Schöpfungsanfang auf und unterscheidet das Wort von dem Gott, bei dem es ist. Zugleich ist das Wort Gott; alles Gewordene wurde durch es. 1. Korinther 8,6 nennt den Vater als Ursprung und den Sohn als den, durch den alle Dinge sind. Damit geht es nicht mehr nur um die Auslegung eines Plurals.
Diese Texte nehmen keinen zweiten geschaffenen Schöpfer zu Israels Gott hinzu. Sie sagen, wer der eine Schöpfer ist. Die Unterscheidung zwischen Vater und Wort liegt auf der ungeschaffenen Seite der Grenze zwischen Gott und Welt. Auch Gottes Geist erscheint bereits im Schöpfungsbericht als wirkende Gegenwart Gottes (1. Mose 1,2).
4. Die Richtung des Beweises ist wichtig
Wir erschließen nicht aus einer hebräischen Wortendung das ganze Wesen Gottes. Wir lesen den Anfang der Offenbarung im Licht ihrer Entfaltung in Christus. Dadurch werden frühe Aussagen verständlicher, ohne dass ihnen nachträglich ein vollständiges späteres Vokabular untergeschoben werden muss.
Gerade eine feste Überzeugung von der Trinität erlaubt diese Genauigkeit. Sie braucht keinen überdehnten Einzelbeleg. Die klaren Aussagen über das ewige Wort und den einen Schöpfer tragen mehr als ein vermeintlicher Geheimcode in einer Pluralform.
Bibeltexte im Zusammenhang
Quellen und Vertiefung
- Wayne Grudem, Biblische DogmatikKap. 14, Abschnitt A.1, S. 252–255: alttestamentliche Hinweise auf die Trinität.
- John M. Frame, The Doctrine of GodKap. 28, S. 638–639: Verhältnis von alttestamentlicher Vorbereitung und neutestamentlicher Offenbarung.