Glauben und Denken
Glaube, Vernunft und ein gutes Gespräch.
GF-001 · ca. 2 MinutenWas ist Apologetik?
Apologetik bedeutet, den christlichen Glauben verständlich zu erklären, Einwände zu beantworten und seine Wahrheit zu begründen.
Petrus fordert Christen auf, Rechenschaft über ihre Hoffnung zu geben. Dabei verbindet er die inhaltliche Antwort mit Sanftmut, Respekt und einem guten Gewissen. Der Zusammenhang ist kein Debattierclub: Christen sollen auch unter Druck von Christus Zeugnis geben (1. Petrus 3,14–17). Eine richtige Antwort kann deshalb durch eine verächtliche Haltung verdunkelt werden.
CHRISTOlogisch beginnt bei Gottes Selbstoffenbarung in der Schrift. Wir prüfen Einwände, indem wir ihre Voraussetzungen nennen, ihre Gründe untersuchen und fragen, ob die Schlussfolgerung tatsächlich folgt. Die Frage „Woher weißt du das?“ gilt auch für den Maßstab, mit dem jemand das Christentum bewertet.
Ein Beispiel: „Religionen widersprechen einander; also sind sie alle falsch“ folgt logisch nicht. Widersprechende Aussagen können nicht alle im selben Sinn wahr sein. Welche Aussage wahr ist, bleibt damit aber noch zu klären. Genau hier hilft Apologetik, sauber weiterzudenken. Sie ersetzt weder das Evangelium noch das persönliche Vertrauen auf Christus.
Bibelstellen im Zusammenhang: 1. Petrus 3,14–17·2. Korinther 10,4–5
Quellen & Vertiefung:
Vincent Cheung: Systematic Theology (2010) · S. 13, 25 und 32–36; Offenbarung und erster Erkenntnisgrund
John M. Frame: Presuppositional Apologetics, in Five Views on Apologetics · Kapitel 4, Apologetic Method / A Sketch of an Apologetic, S. 223
GF-002 · ca. 2 MinutenWarum brauchen Christen Apologetik?
Apologetik hilft Christen, Fragen ernst zu nehmen, Irrtümer zu erkennen und das Evangelium verständlich weiterzugeben.
Glaubensfragen tauchen nicht erst an einer Universität auf. Ein Kind fragt nach dem Bösen, ein Kollege nach Wissenschaft und Gott, eine Freundin nach der Zuverlässigkeit der Bibel. Wer solche Fragen abweist, vermittelt leicht den Eindruck, der Glaube halte einer Prüfung nicht stand. Die biblische Einladung lautet, zu antworten und Rechenschaft zu geben.
Dabei geht es nicht darum, jede denkbare Frage sofort beantworten zu können. Hilfreicher ist eine zuverlässige Arbeitsweise: den Einwand richtig verstehen, zwischen Tatsachen und Deutungen unterscheiden, die einschlägigen Bibeltexte lesen und die eigene Wissensgrenze ehrlich benennen. „Das weiß ich noch nicht“ ist besser als eine erfundene Erklärung.
Apologetik dient auch der Gemeinde. Paulus verbindet das Festhalten an der zuverlässigen Lehre mit der Fähigkeit, zu ermutigen und Einwände zu widerlegen (Titus 1,9). Das ist eine Aufgabe mit unterschiedlichen Begabungen, kein akademischer Eignungstest für Christen. Unsere Rettung hängt an Christus, nicht an der Stärke unserer Argumente.
Bibelstellen im Zusammenhang: Titus 1,9·1. Petrus 3,15
GF-003 · ca. 2 MinutenIst Glaube unvernünftig?
Glaube ist nicht der Verzicht auf Denken. Entscheidend ist, wem wir vertrauen und welche Gründe dieses Vertrauen trägt.
Der Satz „Du glaubst nur, weil du es nicht weißt“ benutzt Glauben als Bezeichnung für eine unbegründete Vermutung. Im Neuen Testament bezeichnet Glauben jedoch das Vertrauen auf Gott und seine Zusage. Johannes nennt ausdrücklich den Zweck seiner Darstellung: Leser sollen erkennen, wer Jesus ist, und durch Glauben Leben in seinem Namen haben (Johannes 20,30–31).
Natürlich können Menschen unbegründet glauben. Das gilt für religiöse und nichtreligiöse Überzeugungen. Aus dem Missbrauch von Vertrauen folgt aber nicht, dass jedes Vertrauen unvernünftig wäre. Auch die Behauptung, nur experimentell Messbares sei wahr, benötigt eine Begründung; sie ist selbst kein Messergebnis.
Der christliche Ausgangspunkt ist der wahrhaftige Gott, der sich verständlich offenbart. Von diesem Ausgangspunkt aus werden Aussagen und Folgerungen geprüft. Logische Klarheit ist dabei kein Konkurrent des Glaubens. Wenn wir zwei Bibelaussagen für widersprüchlich halten, müssen wir ihre Bedeutung und ihren Zusammenhang genauer untersuchen, statt Denken grundsätzlich abzuwerten.
Bibelstellen im Zusammenhang: Johannes 20,30–31·Matthäus 22,37
Quellen & Vertiefung:
Vincent Cheung: Systematic Theology (2010) · S. 13, 25 und 32–36; Offenbarung und erster Erkenntnisgrund
GF-004 · ca. 2 MinutenApologetik und Evangelisation: Wie gehören sie zusammen?
Evangelisation verkündigt die gute Nachricht von Jesus Christus; Apologetik erklärt sie und beantwortet Hindernisse, die Menschen dagegen vorbringen.
Beides kann in demselben Gespräch geschehen. Paulus erläutert in Apostelgeschichte 17, wer der Schöpfer ist, widerspricht falschen Gottesvorstellungen und führt zum kommenden Gericht und zur Auferstehung Jesu. Seine Argumentation steht im Dienst einer konkreten Botschaft.
Eine Debatte über Religion kann dagegen endlos werden, wenn das Evangelium nie zur Sprache kommt. Dass ein Einwand scheitert, bedeutet noch nicht, dass das Gegenüber verstanden hat, warum Christus für unsere Sünden starb und warum ewiges Leben aus Gnade empfangen wird. Umgekehrt hilft es wenig, eine auswendig gelernte Botschaft immer wieder vorzutragen, ohne eine ernsthafte Verständnisfrage zu beantworten.
Praktisch heißt das: Kläre den tatsächlichen Einwand und halte den Zusammenhang mit Jesus sichtbar. Ein Gespräch über Schuld führt etwa zur Frage nach Vergebung; ein Gespräch über Leid zur Hoffnung der Auferstehung. Diese Verbindung sollte sich aus dem Anliegen ergeben. Das Gegenüber ist ein Mensch, den wir erreichen möchten, kein Hindernis, das wir argumentativ überwinden müssen.
Bibelstellen im Zusammenhang: Apostelgeschichte 17,22–31·1. Korinther 15,1–5
Quellen & Vertiefung:
John M. Frame: Presuppositional Apologetics, in Five Views on Apologetics · Kapitel 4, Apologetic Method / A Sketch of an Apologetic, S. 223
GF-005 · ca. 2 MinutenWie verteidige ich meinen Glauben respektvoll?
Respektvolle Apologetik verbindet klare Aussagen mit aufmerksamem Zuhören. Freundlichkeit verlangt nicht, sachliche Unterschiede zu verschweigen.
Zunächst sollte das Gegenüber seine eigene Position wiedererkennen. Formuliere den Einwand in deinen Worten und lass dir bestätigen, dass du ihn verstanden hast. Wer etwa sagt, er sei sich über Gott unsicher, behauptet damit noch nicht, Gott existiere nachweislich nicht. Diese Unterscheidung entscheidet darüber, welche Antwort überhaupt passt.
Dann beantworte die Sache. Nenne deine Gründe und zeige, welcher Schluss daraus folgt. Eine Rückfrage kann danach den Maßstab prüfen: „Würdest du dieselbe Forderung auch an deine eigene Überzeugung stellen?“ Sie ist hilfreich, wenn sie eine echte Begründungsfrage öffnet. Sie darf die Antwort auf den ursprünglichen Einwand nicht ersetzen.
Paulus verbindet Korrektur mit Geduld und einer Haltung, die Streitlust vermeidet (2. Timotheus 2,24–26). Deshalb gehören weder Spott noch psychologische Ferndiagnosen zu einer guten Widerlegung. Ein Mensch kann einen schlechten Grund nennen und dennoch eine ernsthafte Sorge haben. Wir dürfen das Argument zurückweisen und den Menschen zugleich achten.
Bibelstellen im Zusammenhang: 2. Timotheus 2,24–26·Kolosser 4,5–6
GF-006 · ca. 2 MinutenWarum hat jedes Denken Voraussetzungen?
Jede Begründung verwendet Voraussetzungen: etwa Regeln des Denkens, Bedeutungen von Wörtern und einen Maßstab dafür, was als Erkenntnis zählt.
Wenn jemand für jede Begründung eine weitere Begründung verlangt, entsteht eine Frage nach dem Anfang: Woran darf sich die Prüfung schließlich orientieren? Ein letzter Maßstab kann nicht durch einen noch höheren Maßstab letztgültig gemacht werden, ohne seinen letzten Rang zu verlieren. Damit ist allerdings noch nicht entschieden, welcher Ausgangspunkt wahr ist.
Die christliche Antwort setzt bei Gottes verständlicher und wahrhaftiger Offenbarung an. Cheung und Davis behandeln diese Frage ausdrücklich als Frage nach dem ersten Erkenntnisprinzip. Für das Gespräch folgt daraus eine Aufgabe: Der Inhalt des christlichen Ausgangspunkts muss erklärt und die behauptete Tragfähigkeit alternativer Maßstäbe tatsächlich geprüft werden.
„Du hast auch Voraussetzungen“ widerlegt den anderen noch nicht. Ebenso wenig wird jede beliebige Behauptung dadurch wahr, dass man sie zum Axiom erklärt. Wir fragen deshalb nach Inhalt, innerem Zusammenhang und Reichweite: Kann der vorgeschlagene Maßstab die Wahrheitsansprüche tragen, die sein Vertreter selbst erhebt? Eine konkrete Prüfung ist stärker als ein pauschales Etikett.
Bibelstellen im Zusammenhang: Kolosser 2,3–8·Johannes 17,17
Quellen & Vertiefung:
Vincent Cheung: Systematic Theology (2010) · S. 13, 25 und 32–36; Offenbarung und erster Erkenntnisgrund
Oshea Davis: Systematic Theology · Abschnitte über Erkenntnis, ersten Grund und selbstbeglaubigende Schrift, S. 12–17, 65–73
GF-007 · ca. 2 MinutenKann man in Glaubensfragen neutral sein?
Fairness ist möglich und geboten. Völlige Voraussetzungslosigkeit ist dagegen kein realistischer Ausgangspunkt für ein Glaubensgespräch.
Wer fordert, Gott dürfe bei der Prüfung zunächst keinerlei Rolle spielen, hat bereits eine methodische Entscheidung getroffen. Wenn daraus folgt, dass nur natürliche Erklärungen überhaupt zulässig sind, wird eine christliche Aussage möglicherweise ausgeschlossen, bevor ihr Inhalt untersucht wurde. Diese Entscheidung muss als Voraussetzung offengelegt werden.
Umgekehrt berechtigt ein christlicher Ausgangspunkt nicht dazu, jede fremde Aussage falsch wiederzugeben. Sachliche Fairness bedeutet, Quellen im Zusammenhang zu lesen, belastbare Gegenargumente ernst zu nehmen und keinen Widerspruch zu erfinden. Paulus konnte die Vorstellungen seiner Gesprächspartner aufgreifen und ihnen zugleich ausdrücklich widersprechen.
Eine sinnvolle gemeinsame Arbeit besteht darin, die jeweiligen Behauptungen zu klären und ihre Folgerungen zu prüfen. Wir müssen nicht so tun, als hätten wir vorübergehend keine Überzeugungen. Wir können offenlegen, welche wir haben, und prüfen, ob die Kritik den tatsächlich vertretenen Glauben trifft. Neutralität als Gleichgültigkeit ist dafür weder nötig noch hilfreich.
Bibelstellen im Zusammenhang: Apostelgeschichte 17,22–31·1. Petrus 3,15
Quellen & Vertiefung:
John M. Frame: Presuppositional Apologetics, in Five Views on Apologetics · Kapitel 4, Apologetic Method / A Sketch of an Apologetic, S. 223
GF-008 · ca. 2 MinutenWas ist eine Weltanschauung?
Eine Weltanschauung ist ein Zusammenhang von Überzeugungen darüber, was wirklich ist, was wir erkennen können und wie wir leben sollen.
Menschen müssen keine philosophischen Fachbegriffe kennen, um solche Überzeugungen zu haben. Wer sagt „Der Mensch ist nur Materie“, macht eine Aussage über Wirklichkeit. Wer sagt „Wissenschaft ist die einzige Quelle von Wahrheit“, macht eine Aussage über Erkenntnis. Wer sagt „Jeder Mensch besitzt unverlierbare Würde“, erhebt einen moralischen Anspruch.
Diese Aussagen hängen zusammen, aber ihre Verbindung darf nicht einfach behauptet werden. Aus einer Beschreibung biologischer Vorgänge folgt noch keine moralische Pflicht. Ebenso beweist das Vorhandensein moralischer Überzeugungen für sich allein noch keine vollständige christliche Theologie. Die Übergänge benötigen Gründe.
Die Bibel verbindet Schöpfung, menschliche Verantwortung, Sünde, Erlösung und Zukunft zu einem Zusammenhang. Christus steht darin nicht als religiöser Zusatz neben dem übrigen Leben. Für die apologetische Prüfung fragen wir deshalb sowohl nach einzelnen Behauptungen als auch nach dem Gesamtbild. Eine Weltanschauung sollte nicht nur angenehme Erfahrungen erklären, sondern auch Schuld, Unrecht und unsere Verpflichtung zur Wahrheit ernst nehmen.
Bibelstellen im Zusammenhang: Kolosser 1,15–20·Apostelgeschichte 17,24–31
GF-009 · ca. 2 MinutenDarf ein Christ zweifeln?
Ein Christ darf seine Fragen ehrlich aussprechen. Zweifel sollen ernst genommen und geprüft werden; sie sind kein Grund, Hilfe und Gemeinschaft zu verweigern.
Zweifel können sehr unterschiedliche Ursachen haben: eine schwierige Bibelstelle, eine intellektuelle Frage, enttäuschte Erwartungen oder erlebtes Unrecht. Wer alles mit derselben Antwort behandelt, trifft leicht am Anliegen vorbei. Die Bitte des Vaters in Markus 9,24 zeigt, dass ein Mensch sich gerade mit seiner Not an Christus wenden kann.
Es hilft, den Zweifel als konkrete Frage zu formulieren. „Ich zweifle an allem“ kann zunächst bedeuten: „Ich verstehe nicht, warum Gott dieses Leid zugelassen hat.“ Eine solche Frage lässt sich gezielter bearbeiten. Lies die relevanten Texte, prüfe die behaupteten Tatsachen und sprich mit vertrauenswürdigen Menschen, die zuhören können.
Heilsgewissheit beruht dabei nicht auf einem dauerhaften Gefühl innerer Stärke. Sie richtet sich auf Christus und seine Zusage. Der Umgang mit Zweifeln darf deshalb keine neue Leistungshürde werden. Gleichzeitig ist ehrliches Fragen mehr als das endlose Sammeln immer neuer Einwände: Es bleibt bereit, eine tragfähige Antwort auch als Antwort gelten zu lassen.
Bibelstellen im Zusammenhang: Markus 9,24·Judas 22·Johannes 5,24
GF-010 · ca. 2 MinutenWann wird Zweifel zum radikalen Skeptizismus?
Prüfender Zweifel fragt nach Gründen. Radikaler Skeptizismus bestreitet umfassend, dass Erkenntnis möglich ist. Diese Positionen müssen unterschieden werden.
Der Satz „Menschen können sich irren“ ist richtig und widerlegt nicht jedes Wissen. Er besagt, dass wir einzelne Überzeugungen prüfen und korrigieren müssen. Daraus folgt logisch nicht: „Keine menschliche Aussage kann wahr oder begründet sein.“ Wer diese stärkere Folgerung zieht, braucht ein zusätzliches Argument.
Eine pauschale Behauptung wie „Niemand kann irgendetwas wissen“ gerät dagegen in eine Rückfrage: Wird das selbst als Wissen behauptet? Falls ja, widerspricht die Behauptung ihrem Inhalt. Falls nein, kann sie nicht ohne Weiteres als gesicherte Widerlegung jeder Erkenntnis auftreten. Diese Kritik trifft die globale Wissensverneinung, nicht automatisch einen bescheidenen Fallibilismus.
Der christliche Glaube unterscheidet Gottes Wahrhaftigkeit von unserer Fehlbarkeit. Wir können seine Offenbarung missverstehen, ohne dass daraus die Unmöglichkeit jeder Erkenntnis folgt. Darum verbinden wir Vertrauen auf Gottes Wort mit sorgfältiger Auslegung und Korrekturbereitschaft. Ein fairer Gesprächspartner sollte genau sagen, wie weit sein Zweifel reicht.
Bibelstellen im Zusammenhang: Johannes 8,31–32·1. Korinther 13,9–12
Quellen & Vertiefung:
Oshea Davis: Systematic Theology · Abschnitte über Erkenntnis, ersten Grund und selbstbeglaubigende Schrift, S. 12–17, 65–73
GF-011 · ca. 2 MinutenGlaubensfragen junger Menschen ernst nehmen
Junge Menschen brauchen Raum für echte Fragen, verständliche Antworten und Erwachsene, die Unsicherheit nicht beschämen.
Ein kurzer Einwand aus einem Video kann viele Fragen bündeln. „Die Bibel wurde verändert“ betrifft etwa Handschriften, Übersetzungen, Kanon und Vertrauen. Statt sofort eine lange Verteidigungsrede zu halten, lohnt die Rückfrage: Welche Veränderung ist gemeint? An welchem Beispiel soll sie gezeigt werden? Danach lässt sich ein konkreter Text gemeinsam untersuchen.
Gute apologetische Bildung vermittelt deshalb auch Arbeitsweisen: Originalquellen finden, Zitate im Zusammenhang lesen, zwischen Behauptung und Beleg unterscheiden und den stärksten Einwand fair darstellen. Diese Fähigkeiten helfen über eine einzelne Debatte hinaus. Eltern und Mitarbeiter müssen dabei nicht jede Antwort sofort kennen.
Paulus erinnert Timotheus an seine frühe Vertrautheit mit der Schrift und verbindet sie mit der Rettung durch Glauben an Christus (2. Timotheus 3,14–17). Das Ziel ist mehr als eine Sammlung schlagfertiger Sätze. Junge Menschen sollen Christus kennenlernen und lernen, selbst verantwortlich zu prüfen. Eine schwierige Frage macht sie weder unwillkommen noch weniger wertvoll.
Bibelstellen im Zusammenhang: 2. Timotheus 3,14–17·1. Timotheus 4,12
GF-012 · ca. 2 MinutenÜber Glauben reden: Familie, Freunde und Kollegen
Glaubensgespräche im Alltag beginnen häufig mit Zuhören und einer konkreten Frage, nicht mit einer vorbereiteten Rede.
Frag zunächst, ob das Gegenüber über das Thema sprechen möchte. Wenn jemand sagt, Christen seien heuchlerisch, kann dahinter eine persönliche Verletzung oder ein allgemeines Argument stehen. Beides verdient eine Antwort, aber nicht dieselbe. Anerkenne tatsächliches Unrecht, bevor du eine logische Unterscheidung erklärst.
Für die Sachfrage gilt: Dass Christen ihre eigenen Maßstäbe verletzen, zeigt ihr Versagen. Es zeigt noch nicht, dass Christus unwahr ist oder seine Maßstäbe falsch sind. Gerade der christliche Begriff der Sünde lässt die Möglichkeit solchen Versagens erwarten. Damit wird Unrecht weder entschuldigt noch der nötigen Verantwortung entzogen.
Halte Antworten kurz genug, damit ein Gespräch entstehen kann. Eine Quelle gemeinsam zu lesen ist oft hilfreicher als zehn Namen aufzuzählen. Kolosser 4,5–6 verbindet einen weisen Umgang mit Außenstehenden mit einer Rede, die der jeweiligen Person gerecht wird. Du musst keine Diskussion erzwingen und nicht das letzte Wort behalten.
Bibelstellen im Zusammenhang: Kolosser 4,5–6·Römer 2,21–24
GF-013 · ca. 2 MinutenMit guten Fragen ins Gespräch kommen
Gute Fragen machen Behauptungen und Gründe sichtbar. Sie sollen ein Gespräch klären, nicht den anderen überlisten.
Drei Fragen helfen besonders: „Was meinst du damit?“, „Woran machst du das fest?“ und „Folgt daraus wirklich deine Schlussfolgerung?“ Die erste klärt Begriffe, die zweite Belege und die dritte das Argument. So lässt sich ein pauschaler Einwand in eine prüfbare Frage verwandeln.
Behauptet jemand etwa, Wissenschaft habe Gott widerlegt, ist zunächst zu klären, welches Ergebnis gemeint ist. Danach kann man untersuchen, ob dieses Ergebnis die Existenz Gottes tatsächlich ausschließt oder nur einer bestimmten Vorstellung widerspricht. Anschließend ist zu fragen, welchen eigenen Erkenntnisanspruch das Gegenüber erhebt.
Eine Gegenfrage ersetzt allerdings keine Antwort. Wenn du eine positive Behauptung aufstellst, solltest du auch erklären, warum du sie vertrittst. Sonst entsteht ein einseitiges Verhör. Biblisch gehören verständige Rede und aufmerksames Hören zusammen; Sprüche 18,13 warnt davor, zu antworten, bevor man zugehört hat. In persönlichen Sorgen ist oft zuerst Beistand gefragt, nicht eine Prüfung aller Voraussetzungen.
Bibelstellen im Zusammenhang: Sprüche 18,13·Kolosser 4,6
GF-014 · ca. 2 MinutenGlaube, Wissen und Vertrauen: Was ist der Unterschied?
Glauben, Wissen und Vertrauen sind keine einfachen Gegensätze. Die Begriffe beschreiben unterschiedliche Seiten unseres Umgangs mit Wahrheit und Zusagen.
Im Alltag bedeutet „Ich glaube“ manchmal eine unsichere Vermutung. „Ich glaube dir“ meint dagegen, eine Aussage für wahr zu halten und sich auf den Sprecher zu verlassen. Deshalb ist es irreführend, jede biblische Rede vom Glauben mit Unwissenheit gleichzusetzen.
Christlicher Glaube hat einen Inhalt und einen Gegenstand: Jesus Christus und seine Zusage. Er ist nicht die besondere Kraft eines optimistischen Gefühls. Johannes 20,31 nennt den Glauben an Jesus als den Christus und Sohn Gottes; Johannes 5,24 verbindet Hören und Glauben mit der Zusage ewigen Lebens.
Wissen wiederum ist nicht dasselbe wie Allwissenheit. Einen Sachverhalt zu erkennen verlangt nicht, alle Sachverhalte zu kennen. Wir müssen begründen können, warum eine konkrete Aussage wahr ist; wir müssen nicht erst das ganze Universum erklären. Unser Vertrauen bleibt prüfbar, und unsere Auslegung bleibt korrigierbar. Die Zuverlässigkeit Christi hängt jedoch nicht von der Intensität unserer Zuversicht ab.
Bibelstellen im Zusammenhang: Johannes 20,30–31·Johannes 5,24
GF-015 · ca. 2 MinutenKönnen begrenzte Menschen Wahrheit erkennen?
Begrenztes Wissen ist nicht dasselbe wie falsches Wissen. Ein Mensch kann etwas wirklich erkennen, ohne alles zu wissen.
Wenn du weißt, dass du heute eine Frage gestellt hast, folgt daraus nicht, dass du sämtliche Ursachen deines Denkens kennst. Die Wahrheit der konkreten Aussage verlangt keine vollständige Übersicht über alle Zusammenhänge. Der Schluss „Du weißt nicht alles, also weißt du nichts“ ist deshalb ohne zusätzliche Begründung ungültig.
Christen behaupten nicht, Gottes gesamtes Wissen zu besitzen. Sie bekennen, dass Gott sich so mitteilen kann, dass Menschen ihn wirklich erkennen. Die Grenze liegt zwischen wahrer und erschöpfender Erkenntnis: Gott vollständig zu durchschauen ist etwas anderes, als eine von ihm mitgeteilte Wahrheit zu verstehen.
Das schützt weder unsere Lieblingsauslegung noch jedes apologetische Argument vor Korrektur. Wir müssen zwischen Gottes Wort, unserer Interpretation und einer weitergehenden Vermutung unterscheiden. Gerade diese Unterscheidung macht verantwortliches Reden möglich. Wo die Schrift schweigt oder der Sachstand unklar ist, sollten wir unsere Aussage entsprechend begrenzen, statt Unsicherheit mit Gewissheit zu überdecken.
Bibelstellen im Zusammenhang: 5. Mose 29,28·1. Korinther 13,9–12·Johannes 17,3
Quellen & Vertiefung:
Vincent Cheung: Systematic Theology (2010) · S. 13, 25 und 32–36; Offenbarung und erster Erkenntnisgrund
Gute Antworten. Frei zugänglich.
Diese Antworten stehen dir kostenlos zur Verfügung. Quellenarbeit, sorgfältige Ausarbeitung und verständliche Gestaltung kosten Zeit und Geld. Wenn dir unsere Arbeit hilft, erwäge bitte im Gebet, ob du CHRISTOlogisch mit einem Betrag deiner Wahl unterstützen möchtest.