Ein gut besuchtes Islamseminar zeigte, wie groß das Interesse an verständlicher Orientierung und tragfähigen Antworten ist. Dabei geht es um mehr als das Sammeln von Einwänden: Wir möchten Menschen verstehen und ihnen Christus bezeugen.
Rückblick · 2.–4. September 2016
Quellen sorgfältig lesen, Unterschiede klar benennen, Menschen respektvoll begegnen. Diese drei Aufgaben gehören im christlich-muslimischen Gespräch zusammen.
Ein Wochenende mit großem Interesse
Vom 2. bis 4. September 2016 fand unser Islamseminar statt. Die Teilnahme war erfreulich groß; besonders am Samstag war das Atrium räumlich ausgelastet. Das Interesse ermutigte uns, die Fragen der Besucher gründlich aufzugreifen.
Dündar Karahamza konnte trotz einer vorausgegangenen Erkrankung dabei sein. Er gab eine Einführung in den Islam und berichtete von seinem Weg zum christlichen Glauben. Sein persönlicher Bericht bewegte die Gäste. Besonders freute mich die Rückmeldung, dass unsere Beiträge einander gut ergänzt hätten.
Mein Schwerpunkt lag auf der Auseinandersetzung mit islamischen Quellen. Zu den behandelten Fragen gehörten das Gottesbild, die Darstellung christlicher Überzeugungen sowie das Verhältnis des Korans zu den früheren Schriften und seiner eigenen Überlieferung.
Was sorgfältige Kritik verlangt
Solche Themen brauchen genaue Belege. Ein einzelner Koranvers sollte im Zusammenhang gelesen werden; Korantext, Hadith und spätere Auslegung sind voneinander zu unterscheiden. Eine zugespitzte Behauptung über „den Islam“ kann sonst mehr verdecken, als sie erklärt.
Das betrifft etwa Sure 5,116: Der Vers nennt Jesus und Maria als Gegenstände einer abgelehnten Verehrung neben Gott. Damit ist noch nicht ausdrücklich gesagt, er definiere die christliche Trinität. Ebenso darf die Rede von Gottes Gegenplan in Sure 3,54 nicht ohne weitere Begründung zur pauschalen Aussage über die Unzuverlässigkeit jeder islamischen Offenbarung erweitert werden.
Auch Aussagen über die Textüberlieferung benötigen jeweils konkrete Quellen und eine klare Erklärung dessen, was sie belegen. Unterschiedliche Lesarten, Berichte über Sammlung und Behauptungen über verlorene Texte sind nicht automatisch dieselbe Sache.
Das Evangelium verständlich mitteilen
Am Sonntag ging es um die Darlegung des Evangeliums für muslimische Zuhörer und darum, unnötigen Anstoß zu vermeiden. Respekt bedeutet dabei nicht, die Unterschiede bei Jesus, Kreuz und Erlösung zu verschweigen. Er bedeutet, diese Unterschiede verständlich und ohne Verachtung auszusprechen.
Wir möchten erklären, dass Vergebung in Christus Gottes Geschenk ist und nicht durch eine religiöse Leistungsbilanz erkauft wird (Eph 2,8–10). Zugleich möchten wir zuhören, welche Fragen und Vorstellungen der einzelne Gesprächspartner tatsächlich mitbringt.
Ein Gespräch ist gelungen, wenn die Wahrheit klarer und der andere Mensch besser verstanden wird.
Historischer Bericht zum Seminar 2016 mit vertiefender Einordnung. Primärtexte zu den genannten Beispielen: Sure 5,116; Sure 3,54. Christlicher Maßstab für das Gespräch: 1. Petrus 3,15–16; Kolosser 4,5–6.